Moderatoren: RThorsten, marc

Benutzeravatar
von marc
#107969

Infinity Mushrooms Jetzt im Forum diskutieren Eine einfache Rechnung: 850.000 geteilt durch 2 und das Ergebnis mal 17,5 – das sind 1.437.500. runden wir etwas auf, sind es 1.5 Millionen und zwar Kubikmeter Erdgas pro Jahr die deutsche Krematorien im Schnitt verbrauchen. Man rechnet zusätzlich mit 180 kG CO2 je Person – was 76,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr entspricht. Gut – nun kann man sagen: ohne Öl und Gas, wird’s wohl auch so gehen. Das stimmt aber nur begrenzt. Zum einen sind die Körper von verstorbenen häufig stark kontaminiert mit Resten von Arzneimitteln. Holz wird sicherlich in einigen Gegenden Mangelware sein oder ...
von hunsbuckler
#107970
Faszinierende Idee!

Meine persönliche Lieblings-Entsorgung ist ja die tibetische Verfütterung an Adler.
Zwar glaube ich nicht an Seelenwanderung (schade eigentlich - als Bestandteil eines Adlers den Himalaya zu erleben stelle ich mir grandios vor, wobei ich keine Ahnung habe, ob Adler ein Empfinden für Landschaftsästhetik haben).
Aber es sind schöne Tiere und zugleich gar nicht so bedrohlich, wie es unsere natürlichen Prädatoren wie Tiger, Löwen, Hyänen oder Wölfe sind.
Diese benötigen höchstens 1-2 Tage, um einen Leichnam so zu vertilgen, daß Fliegen Mühe haben, noch zur Eiablage lohnende Fetzen zu finden.
Zu nennenswerter Geruchsentwicklung reicht die Zeit auch kaum.

Zwar wäre ich auch damit einverstanden, nach meinem Tod von einem Tiger verspeist zu werden - aber das Bewußtsein, im Wald als Beute belauert zu werden, wäre doch zu beängstigend.
Freilebende, auf Menschen-Beute geprägte Prädatoren sind inakzeptabel.

Und da die paar Adler und Geier in Europa mit dem Leichenanfall überfordert wären,
hat die Idee Charme, die Beseitigung Mikro-Organismen zu überlassen.

Eigentlich würde es völlig ausreichen, den Leichnam auf der Erdoberfläche abzulegen.
Er wird systematisch von einer ganzen Reihe verschiedener Insekten u.a. Kleintieren besiedelt,
was sogar von Forensikern zur ziemlich genauen Eingrenzung des Ablagezeitpunktes genutzt werden kann.

Insofern frage ich mich, ob die Impfung mit einigen wenigen Pilzarten wirklich die effektivste biologische Lösung darstellt.
Würde Kompost aus menschlichen Leichen als Biodünger für Nahrungsmittel wirklich akzeptiert werden,
solange keine Hungersnot herrscht?
Viele würden, falls überhaupt, nur einem energieaufwändigen industriellen Sterilisierungsprozess analog der Tiermehl-Herstellung vertrauen.
Ein Kompromiss könnte sein, diesen Dünger nur auf Flächen auszubringen, die ausschliesslich dem Anbau von Energiepflanzen gewidmet sind.

Dafür wird das allgemeine Bewusstsein im Westen noch einen gewaltigen Wandel durchmachen müssen.
Vor allem in Deutschland könnte, aufgrund der verbrecherischen Menschenverwertung im Nazireich,
das Tabu unüberwindlich sein.

Unsere Gemeinde hat schon mit manipulativen Kostenschätzungen und Drohungen, traditionelle Dorf-Friedhöfe stillzulegen, die Bürger gegen die zusätzliche Einrichtung eines Bestattungswaldes aufgehetzt.

Da wird langwierige Überzeugungsarbeit erforderlich sein.
Benutzeravatar
von marc
#107971
Raubtiere - das wäre mir zu archaisch, Oberirdische Verwesung zu unästhetisch.
Was ich mir vorstellen kann, wäre z.B. eine oberflächen-nahe Beerdigung in einem geeigneten Substrat mit kontrollierter Bodenfeuchte in einem mit Sporen präparierten Sarg, der als Beigaben Hackschnitzel, Blähton oder ähnliches beinhaltet, die für ein sauerstoffreiches Klima sorgen - also im Prinzip das, was dem Zweck der Beerdigung am nächsten kommt - und am umweltfreundlichsten ist. Aber du hast Recht - die Gesellschaft blendet das Thema gerne aus. das muss aber nicht für die Ewigkeit so bleiben. Einen Friedwald soll es bei uns in der Region auch bald geben. Mich nervt ja etwas, dass es der "Friedwald" eine eigene Marke ist und es da Fernwald Franchises gibt wie in der Systemgastronomie - wer weiß, vielleicht sichert man sich da auch "herzliches Beileid" analog zu dem "ich liebe es" von McDonalds und man muss das fortan auf Trauerkarten lizensieren, wenn man in Beerdigungs-Zusammenhängen Beileid aussprechen will. "Herzliches Beileid - powered by Friedwald GmbH" - Ich finde es eine Anmaßung, Worte aus dem allgemeinen Sprachgebrauch zu patentieren. Das nur Am Rande.

Wenn man sich in diese Thematik reinliest, kann man den Eindruck gewinnen, dass wir da hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben. "Staub zu Staub" oder die "Rückkehr in den Schoß der Erde" sind zwei Ideen, die zusammen die Vorstellung der meisten Menschen abdecken, was mit unserem Körper passiert, wenn wir sterben. Es ist erstaunlich, dass das im überwiegenden Teil der Fälle gar nicht richtig funktionieren will oder eben durch den Prozess der Verbrennung auf Umwegen erfolgt.

Hier haben wir eine offenbar schweizerische Forschungsarbeit zu Zugabe von Pilzen. Ein Paket "Rapid-Rot" (schnelles Verrotten) kostet übrigens 200 CHF und kann bei der GmbH des Forschers bestellt werden.

Das ist fast so taktvoll wie "ex-und-hopp" als Name für ein Bestattungsinstitut (Exitus und ab in die Kiste) - Der kam mir vor Jahren mal in den Sinn - wobei dann "ab in die Kiste" quasi das "ich bin doch nicht blöd" Äquivalent für das moderne Bestattungsunternehmen wäre - verbunden im übrigen mit einer Idee einer modernisierten "Trauerkultur", die Humor zulässt und sich auf die positiven Erinnerungen an den oder die verstorbenen fokussiert. Die Lieblingsmusik des Verstorbenen, sein Lieblingsessen als Leichenschmaus, etc, seinen Lieblingswitz erzählen, sein Lieblingsbuch rumreichen - klären und besprechen, was von ihm oder in uns weiterlebt etc., Emotionen zulassen. Aus dieser Phase habe ich noch die urnendiscount.de domain. ("Große Dosen-Kleine Preise") Habe das aber nicht weiter verfolgt. Heute wäre ich eher bei "SzS GmbH" für "Staub zu Staub" oder englisch d2d ltd. für "dust to dust".

Ich bin im Netz auf eine Anfrage der B90/Grünen in Bremen zur "Umweltfreundlichkeit" der Bestattung gestoßen. Diese war sehr technisch formuliert - auch eine Herangehensweise, die aber natürlich eine Steilvorlage für die Kirchenpolitische Sprecherin der CDU Fraktion war. Diese sprach sofort von Sakrileg und von der Pietätlosigkeit der Anfrage. Der Mensch müsse sich nicht im Tod den Umweltschutzbestimmungen unterordnen oder ähnlich.

Das stimmt natürlich nicht. So muss zum Beispiel eine Grabstätte einen Mindestabstand zu Wasserschutzgebieten und Trinkwassergewinnungszonen haben. Es gibt auch sehr traditionelle Friedhöfe, die von den geologischen Landesämtern per Dekret geschlossen werden, weil die Bodengegebenheiten dort so sind, dass die verstorbenen vorhersehbar nicht verrotten, sondern als Wachsleiche konserviert sind - so z.B. der Aachener Ost-Friedhof oder in Mainz der sehr traditionsreiche Hauptfriedhof. Die zugrunde liegenden Probleme wurden auch bereits erforscht.
BODENKUNDLICHE UND UMWELTPROBLEME AUF FRIEDHÖFEN IN DEUTSCHLAND

Ich denke, dass man die Idee der ökologischen Kompostierung auch unabhängig von der späteren Verwertung des Kompost betrachten sollte. Beide Ideen - sowohl der Pilz-Anzugs als auch die urbane Kompost-Anlage würde ich eher in den Bereich der Gedanken-Experimente stellen. Also solche haben sie auch ihre Daseinsberechtigung. Ich habe so spontan z.B. nicht finden können, wie man dort mit Amalgam-Füllungen und künstlichen Hüftgelenken umzugehen gedenkt. Es gibt da ja im Grunde zwei Möglichkeiten: a) vor der Beerdigung entnehmen, b) nach der Beerdigung entnehmen. Man möchte das wohl kaum ach dem Lotterie-Prinzip in seinem Kompost-Säckchen vorfinden. Es wäre also eine sorgfältige "Nachverarbeitung" des Kompost notwendig - ich denke für Knochen gilt ähnliches.

Mir ist in dem Zusammenhang gestern in der Badewanne das Akronym d.i.c.e. eingefallen. Es steht für "decomposition in controlled environments" also für "Verwesung unter kontrollierten Bedingungen". Hier stünde zunächst die Frage im Raum, unter welchen Bedingungen denn der menschliche Körper tatsächlich am ehesten "zu Staub" wird oder "zurück in den Schoß von Mutter Erde" findet - also Grundlagenforschung. Erst im zweiten Schritt ginge es drum , diese Erkenntnisse umzusetzen in geeignete Anlagen, Bauwerke und Infrastrukturen. Wie man am Beispiel des Schweizer Filmes von der ETH/EMPEA (Institut für Materialforschung und Technologie) sehen kann, forschen diese mit toten Schweinen und gleicher Bestattungstiefen in Betonschächten und Holz-Särgen. Also an der Optimierung des Bestehenden.

Wenn es jedoch erst einmal verstanden wurde, wie man menschliche Leichen unter optimalen Bedingungen verwesen lassen kann, kann diese Erkenntnis auch in unsere Bestattungskultur diffundieren und die verschiedensten Ausprägungen finden. Das könnte z.B. zu anderen Grabbeilagen führen, anderen Särgen, an die Geologie und Bodenbeschaffenheit angepasste Bestattungstiefen.

Soviel dazu - und jetzt ist mein Frühstücks-Kaffe alle...

Gruß
Marc
Artikel über Peak Oil

GoodBye Peak Oil Forum! Ich freue mich darüber ü[…]

Welche Kompetenzen brauchen wir?