Werden Kriege um Ressourcen geführt - welche Konfliktherde beobachtest Du?

Moderatoren: RThorsten, marc

von Kilon
#107290
Saudis bombardieren Ziele im Jemen


Meint ihr das dauert an, und wichtiger wohl: Denkt ihr jetzt steigt der Preis auf über 65$? Dort liegt wohl eine große, erste Widerstandszone da viele Papiere dagegen wetten und die Scheine wohl fast wertlos werden wenn der Ölpreis 65,01$ erreicht oder 35$ unterschreitet. Wenn der Preis sich dieser Marke nähert, dürften einige Marktakteure versuchen dagegen zu steuern (jedenfalls bis diese Papiere auslaufen).

Die obige URL ist eigentlich egal, war die erstbeste, ich denke jeder dürfte davon gehört/gelesen haben. Saudi-Arabien ist neben Israel, und IMHO vor dem Iran, die stärkste Militärmacht am "Golf", abgesehen von der saudischen Marine vielleicht, dort kann der Iran im Vorteil sein. Jedoch die Luftwaffe ist mit Eurofightern sowie anderen modernen Maschinen ausgerüstet. Die Bodentruppen sind ebenfalls mit 315 M1 Abrams Panzern sowie ~400 M60-Panzern sowie 135 älteren AMX-30 Panzern ausgerüstet, also bei Boden- oder Luftoperationen sind die Saudis gegenüber dem Iran IMHO klar im Vorteil. Wobei sowohl beim M60 als auch besonders beim AMX-30 noch größere Mengen außer Dienst gestellt worden sind und eingelagert wurden, jedoch bei einer Mobilisierung dürften sie ziemlich schnell verfügbar sein. Beim AMX-30 reden wir hier immerhin von rund 325 Stück mit ihrer 105mm Hauptkanone sowie einer 20mm Maschinenkanone und natürlich ein 7,62er. Beim M60 sind es nur kleine Mengen da die meisten noch aktiv sind bis man vermutlich noch mehr M1 Abrams oder vlt. doch einen Panzer aus Europa gekauft hat - das dürfte wohl noch etwas dauern, bis der Ölpreis sich wieder erholt hat und die Finanzen wieder im Plus sind im Königreich...

Dazu kommen 400 M2-Schützenpanzer für die Infanterie, ihre 25mm Kanone sowie die sekundäre 7,62mm M240 machen aus ihm etwas mehr als nur einen Transporter. Gegen leicht gepanzerte Ziele kann die M242 Bushmaster 25mm Maschinenkanone immerhin 200 Schuss/Min auf eine Distanz bis zu 2,5km abfeuern und damit kleine Boote, Bodentruppen, PKW/LKW und leicht gepanzerte Ziele zerstören. Da haben die Amis den Saudis eine Menge ihrer alten, aber deswegen nicht schlechten, Waffensystemen angedreht...

Der Leopard 2 wurde ja damals von den Saudis bestellt und von der Bundesregierung der Export untersagt, daraufhin holt man sich den M1 Abrams... tja doofe Bundesregierung, lässt einen Multi-Milliarden-Deal platzen, da zögern die Amis natürlich nicht lange...

Ich denke der Iran hängt den Saudis nicht nur etwas, sondern ziemlich stark hinterher, da zuletzt sehr sehr viel Geld bis zum Islam-Putsch 1979 in die Rüstung floss - damals lieferten vorallem die USA, aber auch Europa und Russland. Seit 1979 ist das auf Sowjetische und Chinesische Waffen sowie Eigenproduktion und etwas Schwarzmarktware vielleicht geschrumpft. Wobei es keinen Schwarzmarkt für moderne Kampfflugzeuge gibt die nach 1979 erst in Dienst gestellt wurden. Der beschränkt sich eher auf (Maschinen-)Gewehre und RPG sowie andere Boden-Luft oder Luft-Luft-Raketensysteme, in der Regel "Fire and Forget"-Systeme für Aufständische.

Da der Iran die schiitischen (darum gehts ja eigentlich) Huthis im Jemen unterstützt ist er wie schon in Syrien indirekt involviert. In Syrien jedoch hielt sich das Engagement in Grenzen, vielleicht 2.000 oder 3.000 fanatische Islamisten, meist Scharfschützen die nicht erwarten lebendig wieder heimzukehren und Versorgungsgüter für Syriens Machthaber. Im Jemen ist es umgekehrt, da will man einen pro-iranischen Machthaber wie Assad. Die alte schiiten und sunniten-Kiste... die Huthis sind für die Iraner nur Mittel zum Zweck. Da das Land arm ist, auch schon während der "fetten" Öljahre 2005-2008 und 2011-2014 bei hohen Ölpreisen.

Die Produktion war/ist einfach zu gering, die geringen Exportmengen sorgen bestenfalls dafür, dass das Land nicht völlig verarmt wie die Staaten auf der anderen Seite des Golfes von Aden wie Somalia oder Dschibuti, die auf dem Seeweg an der engsten Stelle nur 27km entfernt sind. Jemen hat, typisch für arme muslimische Länder, ein sehr hohes Bevölkerungswachstum von 2,72% jährlich und hat 2011 eine gewaltige Rezession erlebt als das BIP um enorme 10,5% sank, 2012 stagnierte es bei einem Anstieg von 0,1% und 2013 betrug der Anstieg 3,8%. Bei weitem nicht genug um die vorherige Rezession und den Bevölkerungsanstieg auszugleichen.

Laut CIA Factbook wurden 2012 nur noch 156.500 Barrel Rohöl produziert (recht wenig bei 3 Mrd. Barrel an Reserven, vermutlich investiert kein westliches Unternehmen mit Know-How in so einer unsicheren Umgebung) aber im Jahr zuvor bereits 177.000 Barrel Fertigprodukte konsumiert, die Netto-Importe betrugen knappe 45.000 Barrel pro Tag. Vermutlich geht ein nicht unerheblicher Teil des Erdöls drauf bevor es zum Endprodukt verarbeitet und im ganzen Land verteilt wurde, nur so kann ich mir die großen Netto-Importe erklären.

Lediglich beim Erdgas lagen die Exporte 2011 bei 8,75 Mrd. m³ und die Produktion bei 9,62 Mrd m³, der Eigenverbrauch war mit unter 1 Mrd. m³ minimal - die Reserven lagen bei 478.5 Mrd m³. Sprich sehr viel Luft nach oben ist da auch nicht mehr ohne neue Exploration die neue Öl- und Gasfelder/Reserven eröffnen würden. Jedoch, wie so oft, verhindert die Armut/Krieg genau das.

Ich mein der benachbarte Oman produziert das 6-fache an Erdöl, hat aber nur etwas über 3,1 Mio Einwohner, während der Jemen inzwischen bei über 26 Millionen liegt, und die nördlich liegenden Staaten Saudi-Arabien und die VAE produzieren bekanntlich 20 bis über 60 mal soviel Rohöl wie der Jemen. Da man damals als die Grenzen gezogen wurden noch gar nicht genau bescheid wusste über die meisten Felder auf der südlichen Halbinsel halte ich es für unwahrscheinlich, dass der Jemen nur das vergleichsweise "ölarme" Land ist. Die Vergangenheit sowie ausreichende Produktion aus anderen Ländern schreckte Konzerne eben von teuren Probebohrungen ab.

However:

Syrien seit 2011
Jemen... schnell geklärt oder anhaltend? 2 Kriege in der Region, hat es das in der Neuzeit schon gegeben? Daneben natürlich als 3. potentielle Bedrohung Israel und Iran. Erst kürzlich haben sich die USA etwas von Israel distanziert, was die Israel-Feinde, also eig. alle anderen Staaten dort sicher sehr genau zur Kenntnis genommen haben und abwarten. Die Beziehungen verschlechtern sich unter Obama schon seit Jahren, desweiteren muss Obama Geld einsparen. Militärhilfe für Israel ist in den USA alles andere als populär bei einer Rekordverschuldung sowie der aggressiven und (imho) rücksichtslosen Vorgehensweise des israelischen Militärs.
von Tourix
#107295
Jemen... schnell geklärt oder anhaltend?

Lang anhaltend, aber nicht von wesentlicher Bedeutung für uns
(im Gegensatz zu Syrien).
von Kilon
#107302
Wieso nicht und wieso Syrien schon? In Syrien... wer ist die Gefahr? Die Regierung, die Rebellen oder die Islamisten. Gibt dort ja praktisch 3 Lager inzwischen...

Allerdings sehe ich die "Huthi" in Jemen ebenfalls in einer schlechten Lage... sie sind vom Landweg abgeschnitten, sprich Güter müssen aufwändig geschmuggelt werden, nicht so leicht mitten in der Wüste und bei der heutigen Technik (GPS, Kameras aus dem Weltall), ich glaub die Grenzen bestehen zum Oman und Saudi-Arabien und sich entsprechend gesichert.

Sprich benötigte Güter müssen über den Seeweg gebracht werden, aber die Gegend um den Golf von Aden gehört wohl zu einer der am besten bewachten/observierten "Gölfen" der Welt. Nicht wenige Fregatten, Korvetten oder kleinere Patroullienboote sind dauerhaft in der Region um Piraten abzuschrecken.

Es ist glaub ich einfach ein Haufen von mehreren Tausend Islamistischen Fanatikern die etwas Unterstützung aus dem Iran erhalten haben in Form von einfachen Waffen (Maschinengewehre, vlt. auch einige schwere MG's Kaliber .50 oder 13-14mm, vlt. auch 20-30mm Flugabwehr-Maschinenkanonen). Vielleicht noch einige RPG-7 o.ä. Raketenwerfer und wohl am wirkungsvollsten: Sprengstoff und genug Freiwillige (die Fahrer denken ja sie kommen ins Paradies mit 97 Jungfrauen die nur auf sie warten) für Selbstmordanschläge.

Jedoch über Somalia könnten leicht Güter rübergeraten... zwar ist Somalia und Umgebung mit die ärmste Region der Welt, aber gleichzeitig auch die Region in der praktisch jede Familie mind 1 AK-47 oder AK-74 ("Kalaschnikow") oder andere automatische Waffen und besonders RPG's besitzen. In einer Doku von 2012 war ein Reporter in Mogadischu, die Regierung kontrolliert selbst in der Hauptstadt (zur Drehzeit jedenfalls) nur ~10%, und das auch nur mit Hilfe von Soldaten der Afrikanischen Union.

In den restlichen 90% der Hauptstadt hat die Regierung keine direkte Kontrolle und dort gibt es überall Basare, besonders auch Waffen-Händler. Eine RPG-7 (Raketenwerfer + 1 Rakete) kostete glaub ich 200-250$ rum... eine Ersatzrakete lag glaub ich bei 75$ rum oder so, und das waren sicher schon "Abzockpreise" weil eben ein Weißer (mit seinen Bodyguards) danach fragte... die haben nicht genug zu essen, aber Waffen und Munition um Jahre lang Krieg zu führen.

Die Al-Schabab ist IMHO eine der größten Bedrohungen die jetzt noch keine beachtete ist, aber ich denke sie wird noch seeeeehr wichtig werden eines Tages wenn sich ihre Ziele nicht mehr auf die Unterstützer der somalischen Regierung (v.a. Äthiopien und Kenia) beschränkt sondern Ziele in den USA oder Europa getroffen werden, oder vielleicht erstmal ein asiatisches Ziel in der Kaukasusregion.

Die Al-Schabab nutzt das hohe Bevölkerungswachstum in Afrika aus, deswegen gibt es dort extrem viele Kinder oder junge Erwachsene und Jugendliche, und die Zahl derer steigt in ganz Afrika deutlich an. Die al-schabab bietet Nahrung und lockt so Menschen zu sich. Klar, bevor ich verhunger, gehe ich lieber zu irgendeinem Verein der (erstmal) gar nichts dafür will.

Die haben bis 2030 sicher mehrere Millionen potentielle Kandidaten... wofür auch immer. Durch die Hilfe bei der Nahrung sieht die Bevölkerung in diesen Fanatikern natürlich auch nichts schlimmes, im Gegenteil...
von Tourix
#107305
Jemen: Die Huthi Miliz hat ihre Stammesgebiete als Rückzugsorte und kann sich wie die IS in der Bevölkerung verstecken.
Aber es sind keine Extremisten wie die IS, sie haben kaum Öl und sie können nur sehr aufwendig nach Europa kommen.

Syrien und Irak: Viel Öl und Extremisten, die jederzeit nach Europa kommen können (bzw. zurückkehren können).
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von Axel F.
#108058
Geht es jetzt bald los?

Die Türkei will am 19. Oktober zuschlagen und die Stadt Mossul befreien.

:evil:
Hat einer das Blaulicht gesehen?

Doch noch schnell Heizöl bunkern?
von Karle2
#108060
Noch eine Ergänzung, da Erdoghan gestern seine Ziele klar umrissen hat. Die Eroberung von Mossul ist nur der Anfang. Danach geht es bis Zypern, Aleppo, Batumi, Erbil, Kirtzali, Varna in Bulgarien und die griechischen Inseln der Ägäis sowieso, aber auch Thessaloniki gehört zu den Städten, die er heim ins osmanische Reich holen will.

Hier sein Vortrag:

http://greece.greekreporter.com/2016/10 ... ace-video/
Peak Oil verstehen

Jetzt stell dir mal vor wie es mir geht bei "[…]

Welche Kompetenzen brauchen wir?