Werden Kriege um Ressourcen geführt - welche Konfliktherde beobachtest Du?

Moderatoren: RThorsten, marc

#106494
Hallo mal wieder allerseits,

gibt's dieses Interview noch nicht im Forum?
Auf die Schnelle hab ich's per Suche nicht gefunden, aber selbst wenn es schon irgendwo erwähnt ist, finde ich, es ist einen eigenen Thread wert.

Am Rand der Jahrestagung der ASPO Deutschland am 19. Mai 2009 in Berlin hat Herr Colin J. Campbell ein Interview gegeben.

Interviewt hat ihn Herr Paul Nellen, auf dessen Internetseite www.lifeinfo.de man das Interview anhören kann:
Colin J. Campbell: "Time for solutions is running out" (17:59 Minuten)

Ich habe das Interview kürzlich abgetippt, auf Deutsch übersetzt und mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Nellen veröffentlicht:
Interview mit Colin J. Campbell am 19.5.2009 in Berlin
So kann es über seinen Inhalt gefunden werden und ist auch auf Deutsch zu lesen.


Ich finde dieses Interview besonders wertvoll. Herr Campbell verabschiedet sich damit so langsam aus seinem Engagement, die Welt über Peak Oil aufzuklären und er wirkt hier noch souveräner und weiser, als bisher schon. Siehe auch meine Anmerkungen unter dem Interview-Text.


Über Herrn Campbell (falls ihn jemand nicht kennen sollte)

Er hat viele Jahre lang als angesehener Erdölgeologe für verschiedene Ölfirmen gearbeitet. Mit dem Einblick wurde ihm schließlich klar, dass es nicht so weiter gehen würde mit der ständig zunehmenden Erdölförderung.
Sein großes Verdienst ist es, dass er dieses Wissen nicht für sich behielt, sondern alle Hebel in Bewegung setzte, es weltweit bekannt zu machen, damit sich die Menschen darauf einstellen können. Dafür gründete er die ASPO (Association for the Study of Peak Oil and Gas) und hielt unzählige Vorträge. Es wurde "das Thema seines zweiten Lebens", wie es im Artikel aus dem Tagesspiegel vom 1.10.2005 "Ein Mann sieht schwarz" treffend heißt.

Auf den Artikel hatte ich in einem Beitrag ebenfalls am 1.10.2005, noch im alten Peak-Oil-Forum hingewiesen, den ich hier mal wiederhole (Links aktualisiert). Darin stehen weitere Zitate von ihm.

Hallo allerseits,

ich möchte auf einen schönen Artikel über Herrn Campbell hinweisen:

Ein Mann sieht schwarz in Der Tagesspiegel online, 01.10.2005
[ehemaliger Link, funktioniert nicht mehr; Text z.B. bei http://forum.finanzen.net/forum/... zu finden, weiter unten]

... gesehen in den neuesten + News rund um Energie +[ehemaliger Link], aber aus meiner Sicht einen extra Hinweis wert. Bei der Gelegenheit mal danke an AlexP für diesen Service. Es ist meistens etwas lesenswertes dabei.

Einige Anmerkungen von mir:

Über Herrn Campbell

Herr Campbell ist wohl der wichtigste Experte, der "Peak Oil" öffentlich thematisiert (wenn auch längst nicht der einzige). Wer sich fragt, was er von "Peak Oil" halten soll, mag sich auch fragen, was er von Herrn Campbell halten soll. Der Artikel wirft ein paar Schlaglichter auf seinen Lebenslauf, die schon einen Eindruck vermitteln.

Inzwischen gibt es viele Webseiten zu "Peak Oil" (Google liefert derzeit, bei Suche mit Anführungszeichen, ungefähr 1.550.000 Ergebnisse - man kann es später mal damit vergleichen) und es berichten auch immer mehr Medien darüber. Viele wurden durch den Irakkrieg auf das Thema aufmerksam oder durch den derzeit hohen Ölpreis. Wenn Öl wirklich anfängt, knapp zu werden, werden sicher noch viel mehr das Thema wahrnehmen und diskutieren. Wer einst die Pioniere waren, wird möglicherweise fast in Vergessenheit geraten.
Es lohnt sich, auf die Pioniere zu schauen, die die Informationen möglichst aus erster Hand haben. Die vielen anderen schreiben ja dort und untereinander ab. Dadurch bekommt es zwar mehr Gewicht, aber zu Unrecht, denn es könnte ja genauso falsch sein. Positiv ist, wenn möglichst gründlich darüber nachgedacht wird, was man weitergibt (ist hoffentlich hier im Forum der Fall), aber daran fehlt es wohl in den Medien und an Stammtischen.
Es wird so viel reproduziert, abgekupfert, nachgeplappert ... und man orientiert sich gegenseitig aneinander. Dadurch haben es neue Erkenntnisse (wie "Peak Oil") schwer und gleichzeitig halten sich Irrtümer und Fehlentwicklungen hartnäckig, wenn sie's nur einmal zur Akzeptanz in der öffentlichen (oder veröffentlichten) Meinung geschafft haben.
Herr Campbell gehört zu den Pionieren.

Der Vortrag an der TU Clausthal

Am 7. Dezember 2000, als noch kaum jemand von "Peak Oil" gehört hatte, hielt Colin Campbell an der TU Clausthal den Vortrag
"Peak Oil - A Turning Point for Mankind" original Version auf Englisch
oder auf deutsch übersetzte Version
Auf der Seite http://video.tu-clausthal.de/film/46.html
kann man sich den Vortrag online als Video ansehen [...].

Eine Stelle in dem Vortrag finde ich besonders beachtlich, Zitat:

"... Demand must then fall. The poor countries of the world will bear most of the burden. But the United States will be in serious difficulties. There is, I think, a strong danger of some ill-considered military intervention to try to secure oil. ..."

Schon Ende 2000, also lang vor dem 11. September 2001, dem Afghanistan-Krieg und dem Irak-Krieg sah Herr Campbell als krank betrachtete militärische Interventionen, um zu versuchen, das Öl zu sichern voraus. Das passt gut zu meinem Eindruck, dass Herr Campbell allgemein einiges auf dem Kasten hat.
Auch aus vielen anderen seiner Aussagen spricht Sachverstand, Souveränität und eine Prise Humor, trotz aller Besorgnis.

Einige Zitate von ihm

Think of an Irish pub full of happy people. Think of their pleasure at the first sip from a full glass. Think of the frowns that begin to cross their faces when their glasses are half-empty. They know they have drunk more than is left. It is the turning point. Watch them savour the last drops. But the evening is young. When the glasses are empty, they can order another round. But eventually closing time comes when there are no more rounds to be had. That is the meaning of depletion. (aus dem oben genannten Vortrag)

There is a certain logic in expecting the United States, which led the world into the oil age, to also be the first to experience its decline. (aus dem ASPO-Newsletter Nr 23)

I'm sorry to say, really, that the suburban family in America is really going down the wrong path. So what is the impact on the ordinary citizen around? Well for a few years, he can buy another large car, he can smile that there is not a cloud on the horizon - and the crisis, when it hits, is that much worse.
And there's a strange irony in this business, because the more efficient you are in producing the stuff, the more skilled you are - all the good things that are generally seen as positive attributes, the better you are doing this, all you are really doing is excellerating the depletion and making the situation worse.
(aus dem Film "The End of Suburbia" 0.36:32)

Nachdem die Rede davon war, dass man von einer Rezession zur nächsten kommen werde, jede etwas stärker, als die vorhergehende:
The immediate, natural got reaction will be that they'd been jipped by somebody, they'd been ripped off by the oil-companies. They will smell some kind of conspiracy, that somebody is to blame all for this. And when people feel themselves defrauded or conspired against, they often overreact. So you could even see sort of violent scenes on filling stations in suburban America, simply because the unfortunate people have not been properly told. (aus dem Film "The End of Suburbia" 0.46:54)

I think "There is more in Iraq" was really what stimulated everybody's interrest in this subject. Ironically it did a bit of good, you could say in that regard, cause people would say, why the hell would they want to invade Iraq, unless - unless it had a critical roll in oil and ... it's now evident, these weappons of mass destruction don't exist and never did exist, so it has to be some other reason. (aus dem Film "The End of Suburbia" 0.54:47)


Wer zu früh warnt ...

Herrn Campbell hält man vor, er habe in der Vergangenheit schon vor Engpässen gewarnt, die aber nicht eingetreten seien. Und manche nehmen ihn deswegen weniger ernst. So kann es jedem gehen, der zu früh warnt - auch wenn die zweite Warnung noch so zutreffend ist. Herr Campbell hat inzwischen sicher dazugelernt. Zwar gibt "seine" Organisation ASPO 2007 als Peak-Zeitpunkt an, aber er sagt deutlich, dass eine Zeitangabe wegen ungenauer Daten schwierig ist.

Die Ölförderung, das sieht man ganz anschaulich an der bunten "Maulwurfshügel"-Grafik oben im Forum, ist eine Sache von Jahrzehnten. Der Peak wird wohl irgendwo zwischen 2000 und 2020 sein. Ich kann mir immer noch gut vorstellen, dass das Öl vorher nochmal für einige Jahre billiger wird (vielleicht unter 30 Dollar), was am Peak nicht grundsätzlich etwas ändert.
  • Wenn jetzt etwa durch die Schäden nach den Hurrikanen Katrina und Rita vorzeitig ein Engpass entsteht, ist das ja nicht der eigentliche Peak, sondern eher vergleichbar mit den Ölkrisen 1973 und 1979. Man denke etwa daran, wie die beiden den von M. King Hubbert berechneten Peak von 1995 um wahrscheinlich über 10 Jahre verschoben haben.
  • Dann könnte es einen Effekt geben, ähnlich der Gasversorgung in den USA: Schon vor ein paar Jahren wurde Erdgas in den USA knapp und dadurch teurer. Daraufhin wurde nochmal intensiv nach Gas gebohrt und die vielen kleinen zusätzlichen Quellen bringen Entspannung, auch wenn die nicht lang anhält. Einen ähnlichen Effekt kann es beim Öl vermutlich auch geben (vielleicht etwas träger).
  • Was ist etwa mit der Aussage von Hugo Chavez vor längerer Zeit, "solang die USA im Irak sind, bleibt das Öl teuer"? Ist das nur Propaganda oder hat er, evtl. zusammen mit anderen OPEC-Ländern, einen Einfluss auf den Ölpreis, indem z.B. absichtlich (heimlich?) weniger gefördert wird?
  • Umgekehrt frage ich mich manchmal, ob der hohe Preis derzeit irgendwie dazu dient, den Krieg zu bezahlen. Schließlich ist der Ölhandel relativ undurchsichtig. Welche Gelder fließen wirklich? So manches wird am Markt vorbei gehandelt.
  • Was ist mit Meldungen, die vor dem Krieg auftauchten, wonach der Irak sogar mehr Öl habe als Saudi Arabien? Financial Times Deutschland [ehemaliger Link] "Experten vermuten riesige Öl-Vorkommen im unerforschten Westen Iraks" (leider inzwischen kostenpflichtig) Hatte Saddam es bisher erfolgreich verhindert, dass man dort suchte? etwa, um Reserven aufzubewahren? Gibt's Leute, die mehr wissen (dass es stimmt oder dass es nicht stimmt)?

Es gibt so viele Unbekannte, dass man nicht genau sagen kann, wann Peak Oil ist. Aber wer nicht zu früh warnen will, riskiert zu spät zu warnen.

Wolfram


Manche werfen ihm vor, Peak Oil zu früh vorausgesagt zu haben - aber kann man zu früh warnen?
Er selbst sagte bei der ASPO-Konferenz 2011 in Brüssel: "Alle Einschätzungen der vergangenen Jahren sind genau genommen nicht ganz korrekt gewesen. Auch die eigenen nicht. Schon gar nicht jene der IEA [die noch lange eine stetig steigende Ölförderung prognostiziert hatte]. 'All the numbers are wrong. The question is by how much.' Der exakte Zeitpunkt von Peak Oil ist auch nicht entscheidend. Viel wichtiger ist es, das strukturelle Problem zu verstehen." Herr Campbell im Film "A Farm for the Future" (Minute 6:32): "It doesn't matter whether it's this year - next year - five years out." (Es kommt nicht darauf an, ob es dieses oder nächstes Jahr ist oder in fünf Jahren.)
Nein, auch wenn die Zahlen nicht genau gestimmt haben, es war ein großes Verdienst, so frühzeitig gewarnt zu haben, denn die Anpassung braucht Zeit.

Auch die jetzige Situation, in der das Fracking einen (vermutlich relativ kurzen) Ölboom ermöglicht, was manche schon zu einer Entwarnung verleitet (siehe z.B. Peak Oil debunked), und eine weitere Fehlentwicklung statt Anpassung ermöglicht, hat Herr Campbell frühzeitig beschrieben (aus dem Film "The End of Suburbia" 0.36:32): "And there's a strange irony in this business, because the more efficient you are in producing the stuff, the more skilled you are - all the good things that are generally seen as positive attributes - the better you are doing this, all you are really doing is excellerating the depletion and making the situation worse." (Es gibt eine ungewohnte Ironie in diesem Geschäft, denn je effizienter man das Zeug produziert, je geschickter man ist - all die guten Dinge, die allgemein als positive Eigenschaften gesehen werden - je besser man es macht, so ist alles was man in Wirklichkeit macht, die Ausbeutung zu beschleunigen und die Situation zu verschlimmern.)
Der Hubbert-Glockenkurve überlagern sich etwas verschobene, schmale Glocken, so dass ein Plateau entsteht, mit anschließend steilerem Abfall, wenn alle Kurven rückläufig sind. (Es erinnert daran, wie aus einer Sinuskurve durch Überlagerung kleinerer Sinuskurven der 3-fachen, 5-fachen, 7-fachen ... Frequenz zunehmend eine Rechteck-Kurve wird, siehe z.B. Wikipedia: Fouriersynthese.) Je länger man sich bemüht, die Förderung aufrecht zu erhalten, desto mehr kommt man von der Hubbert-Glockenkurve in Richtung plötzliches Ende (wie bei einem leer werdenden Benzintank) ...

Herr Campbell hat selbst den Begriff "Peak Oil" eingeführt, wie ich erst aus diesem Interview erfuhr, und ist somit auch indirekt Namensgeber dieses Forums.
Die Seite über die ASPO-Konferenz 2011 (Link oben) nennt ihn auch ganz nett "Peak-Oil Hoheit".


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