Wird alles Zusammenbrechen? Wenn ja: wie sollte man sich darauf vorbereiten?

Moderatoren: RThorsten, marc

von Terence
#108007
Hat jemand eine Idee, wie man bei einem längeren Stromausfall eine Gefriertruhe am Leben erhalten kann?
Gibt es eine bessere Lösung wie ein Stromgenerator, der mit Benzin oder Heizöl betrieben werden muss?

DANKE!
von Wolfram
#108009
Hallo Terence,

kurz gesagt: mit Solarstrom oder anders konservieren.


Mit Solarstrom

Eine bessere Lösung als ein Stromgenerator, der mit Benzin oder Diesel (Heizöl?) betrieben werden muss, finde ich eine Solarstrom-Inselanlage, also eine Photovoltaikanlage mit Batterien und Wechselrichter.

Mit der kann die Gefriertruhe nicht nur im Notfall betrieben werden, sondern im Normalfall, und die Anlage kann auch gleich noch anderweitig nützlich sein ...

Dabei verdienen alle drei Haupt-Komponenten eine genauere Überlegung, wie groß sie dimensioniert sein müssen:
1. PV-Anlage
2. Batterien
3. Wechselrichter

Der Wechselrichter muss den Anlaufstrom des Kompressors liefern können. Der kann rund das Zehnfache des normalen Stromes betragen. Der laufende Kompressor braucht meist so um die 100 Watt. Demnach müsste der Wechselrichter kurzzeitig rund 1000 Watt liefern können. Zwar geben die Hersteller meist eine kurze Überlastfähigkeit von Faktor 2 bis 3 an, was bedeuten würde, dass 500 bzw. 333 Watt Nennleistung reichen würden. Ob mit so einem Wechselrichter der Kompressor wirklich anläuft, ist nicht gesagt. Liefert der Wechselrichter bei der genannten Überlast wirklich noch 230 Volt? Es ist eine Qualitätsfrage.
Hochwertige Wechselrichter gibt's z.B. von der Firma Studer (Schweiz), die aber entsprechend teuer sind. Vielleicht tun es auch billigere (?), aber das muss geklärt werden - evtl. vor dem Kauf schriftlich zusichern lassen, dass damit der Kompressor einer Gefriertruhe problemlos anläuft.
Auch sollte der Wechselrichter nicht zu viel Leistung selbst verbrauchen - z.B. schon im Standby - auch das ist eine Qualitätsfrage.

Bezüglich PV-Anlage und Batterien kann die Philosophie unterschiedlich sein.

Wenn die Batterien groß genug sind, würden sie einige Zeit allein reichen. Die PV-Anlage muss minimal den Ladezustand bei Nichtgebrauch halten (Pufferung) und etwas laden (nach Gebrauch wegen Stromausfall). Besser sollte sie den Ladezustand bei Gebrauch halten (also täglich so viel erbringen, wie die Gefriertruhe verbraucht).

Wenn die PV-Anlage groß genug ist (z.B. 1000 Watt Peak), liefert sie meistens allein genug zum Betrieb der Gefriertruhe den Tag über (also nicht nur mittags und auch bei leicht bedecktem Himmel). Die Batterien haben dann evtl. nicht viel zu tun, können relativ klein sein und werden geschont. Im Normalfall müssen sie wenigstens kurz den Anlaufstrom des Kompressors gewährleisten. (Es ist aber sogar eine PV-Inselanlage ohne Batterien möglich.)
Diese Variante mit relativ kleinen Batterien kommt der Tatsache entgegen, dass die Batterien leider eine begrenzte Lebensdauer haben (wenn's gut läuft 20-25 Jahre bei OPzS). Lieber weniger Batteriekapazität und dafür mehr PV-Module - das bedeutet auch wenigstens etwas mehr Ertrag im Winter (im Winter hat man nur rund 1/5 des Ertrages im Sommer - und eine Saisonspeicherung vom Sommer in den Winter ist mit Batterien kaum realistisch). Batterien sind gut für Licht am Abend, etwas Strom in der Nacht (wenn mans braucht) oder etwas mehr bei Schlechtwetter. - Also Kurzzeitspeicherung - aber das kann die Gefriertruhe selber.

Es gibt hier also einiges zu überlegen. Genügt es z.B., wenn das Ganze in der wärmeren Jahreszeit funktioniert? (Bei tiefen Minusgraden im Winter würde es notfalls ja genügen, bei Stromausfall die Truhe nach draußen zu bringen.) Hilfreich ist es natürlich, bei der Anschaffung einer Gefriertruhe auf die Lagerzeit bei Störung zu achten. Gut gedämmte Geräte (A+++) halten länger die Kälte. Das verschafft einem bei Stromausfall mehr Zeit, kommt aber auch dem Betrieb mit weniger Batterien entgegen - im Sinn von letzter Absatz, letzter Satz.
Details habe ich weggelassen (Laderegelung, Umschaltung der Truhe zwischen Netz und Inselanlage, Steuerung um den Speichereffekt der Truhe zu nutzen, Nachtabschaltung ...) - was ja alles ziemlich zuverlässig sein muss, wenn man es nicht nur manuell umsteckt und im Blick behält, sondern es auch bei Urlaub funktionieren soll - denn der Inhalt soll ja nicht auftauen.
Eine Dauerversorgung der Tiefkühltruhe allein mit der Solarstrom-Inselanlage käme mir noch nicht zuverlässig genug vor. Das Stromnetz würde ich vorerst als "Notstromaggregat" behalten wollen - aber man sieht, wie sich die Rollen vertauschen.


Leider ist das Tiefkühlen nicht so leicht mit einfachen Mitteln zu ersetzen, wie das Kühlen (siehe mein Beitrag Kühlschrank stillgelegt - wo es gegen Ende auch ums Tiefkühlen geht). Da fällt mir bisher nur die Möglichkeit ein, das elekrtisch zu machen und den Strom dafür bereitzustellen, etwa wie oben beschrieben.


Anders konservieren

Man kann natürlich versuchen, ohne Tiefkühlen auszukommen.
  • Gemüse im Boden lassen - das ist wohl die natürlichste Lagerung und sie macht kaum Arbeit (es kann Verluste durch Mäuse geben). Interessant sind einige Gemüse, die den Winter draußen überstehen. Völlig winterhart: Topinambur, Schwarzwurzel, Haferwurzel, Grünkohl, Rosenkohl; weitgehend winterhart: Winterlauch, Pastinaken, Mohrrüben; bedingt winterhart: Lauch, Weißkraut, Blaukraut, Sellerie ... Wir ernten zur Zeit z.B. regelmäßig frische Mohrrüben aus dem Garten. Naja, sie bekommen jetzt seitlich feine Wurzeln, weil sie weiter wachsen wollen.
  • Eine Miete für Gemüse, Obst, Nüsse - mehr Arbeit, hoffentlich weder Frost noch Mäuse
  • Frische Lagerung von Obst und Gemüse im Keller: Winteräpfel kann man haben bis im Juni mit den Erdbeeren die neue Obstsaison beginnt. Winterbirnen kann man wenigstens bis in den Februar lagern. Neu sind für uns Kiwis, die wir bis Ende März hatten (siehe meine Obst-Seite).
  • Eine geniale Möglichkeit, Gemüse zu konservieren, ist, es milchsauer einzulegen. Das kennen Viele wohl nur vom Sauerkraut. Es geht aber mit ziemlich jedem Gemüse. Die Barbara Rütting nennt es in ihren Büchern als Konservierungsmethode noch vor dem Tiefgefrieren, dem es auch in Punkto Werterhalt noch überlegen ist. Manches Gemüse wird durch die Milchsäurebakterien sogar noch wertvoller als es frisch wäre, z.B. weil B-Vitamine dazu kommen. Manche mögen das Milchsaure (nicht essigsauer) leider nicht - vielleicht weil sie's nicht schon als Kind gegessen haben. Ich find's eine Delikatesse und hab immer zu wenig davon ...
  • Bei Obst ist eine Möglichkeit, es zu trocknen (Äpfel, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Trauben ...). Bei Bedarf kann man es wieder aufweichen. Naja, aufgetaute Zwetschgen sind mir schon noch lieber als getrocknete/aufgeweichte.
  • Einkochen - da ist es schade um Werte (Vitamine etc.), die verloren gehen - es sei denn man würde die Sache am Ende sowieso kochen - z.B. Apfelkompott, grüne Bohnen (letztere beim Einkochen lang genug erhitzen, denn sonst gehen die Gläser gerne auf). Ich habe Sommeräpfel eingekocht (Klaräpfel, Jakob Fischer), die sich sonst nicht lang halten würden - sogar auf einem Holzfeuer, also ohne Stromverbrauch.
Was ich mir vor wenigen Jahren noch kaum vorstellen konnte: Unsere Gefriertruhe war zuletzt tatsächlich die meiste Zeit des Jahres aus. Nur im Herbst lief sie ein paar Wochen, weil wir so viele grüne Bohnen hatten. Die haben wir aber möglichst bald gegessen, damit wir die Truhe wieder aus machen konnten. Es liegt aber auch daran, dass wir letztes Jahr kaum Kirschen und nur wenig Zwetschgen hatten, die sonst je etwa ein Drittel der Truhe füllen. So hatte dieser Ertragsausfall auch sein Gutes.


Grüße, Wolfram
von Terence
#108011
Hallo Wolfram!

Danke für die ausführliche Beschreibung.
Ein Bekannter von mir bräuchte diese Lösung, weil er zwei Gefriertruhen hat, und die immer voll hat (Überwiegend Flesich)
Er hatte Bedenken, dass eine Solaranlage bei Stromausfall nicht funktionieren würde, aber Insellösung ist das richtige Stichwort!
Jetzt ist ein vom Preis her gesehen ein Punkt erreicht, dass man überlegen kann, eine grössere Anlage aufzustellen, und mit einem Akku-Pack von TESLA einen Teil seines Strombedarfs zu decken. Dann wäre der Betrieb der Gefriertruhen auch im düsteren Winter kein Problem!

PS: Das neue "Design" des Forums finde ich nicht schön...blasse Schrift auf Weiss, da braucht man ja eine Sprühflasche weil`s so trocken ist...
von Wolfram
#108014
Hallo Terence,

habe die Antwort heute entdeckt.

Zwei Gefriertruhen ... immer voll ... überwiegend Fleisch

Ist er Jäger?

Oder ist es das Übliche?
Es erinnert mich daran, wir hatten früher mal (um 1980) sogar drei Gefriertruhen (zwei kleinere alte und eine bessere - erst war's eine kleine ... dann kam noch 'ne kleine dazu ... zuletzt die bessere, aber die alten liefen immer noch) und sogar die drei waren mehr oder weniger "immer voll".
Das war aber eher ein geistiges Problem - man könnte auch sagen, mangelnde Disziplin. Die Truhen liefen so aus Gewohnheit. Teils wusste man nicht mehr richtig, was drin war (so mancher Ladenhüter). Gegessen wurden andere Sachen.
Inzwischen haben wir einen bewussteren Umgang. In die Truhe kommen nicht Dinge, die man irgendwie los sein will, sondern es kommen Vorräte aus dem Garten hinein, von denen wir schon vorher wissen, dass wir sie gern heraus holen wollen. (Bei uns sind's, wie gesagt, rund zu gleichen Teilen Kirschen, Zwetschgen und grüne Bohnen - und ein paar weitere Delikatessen, wie Himbeeren, grüne Erbsen, Zuckermais, Broccoli ...) Der Erfolg ist, dass eine Truhe reicht und auch nur einen Teil des Jahres läuft.

Nichts gegen einen großen Vorrat, aber in Gefriertruhen ist das eine heikle Sache. Wenn die Kühlung doch mal ausfällt, ist der Verlust umso größer (sei es weil die Truhe defekt ist, der Strom ausfällt, oder nur unbemerkt die Sicherung oder der Stecker raus ist). Bei Fleisch ist es besonders heikel.

Akku-Pack von TESLA ...
Ich bin nicht auf dem Laufenden, wie die vom Preis her sind (hab gerade das gesehen: Akku-Revolution!? Tesla präsentiert günstigen Solarstromspeicher).
Unter anderem weil Lithium eher knapp zu sein scheint, würde ich diese leichten Akkus eher mobilen Anwendungen vorbehalten. Für stationären Einsatz tun's bis auf Weiteres die halbwegs bewährten Blei-Akkus (OPzS). Neue sind auch hier sehr teuer. Ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis kann man mit gebrauchten haben - wenn man Glück hat und sie noch gut sind.
Irgendwann kämen dann die gebrauchten aus Elektroautos - aber da gibt's wohl noch nicht viele.

Terence hat geschrieben:Dann wäre der Betrieb der Gefriertruhen auch im düsteren Winter kein Problem!

Ganz so einfach ist es nicht.
Ich schrieb schon: "eine Saisonspeicherung vom Sommer in den Winter ist mit Batterien kaum realistisch".
Ich hab schon mal einen Winter auf einer Berghütte zugebracht, mit einer Solarstrom-Inselanlage mit nur 220 Watt peak an Solarmodulen aber immerhin 10 kWh gespeichert in Batterien. Da musste ich im Winter sehr sparsam sein mit dem Strom. An den Betrieb einer Gefriertruhe wäre nicht zu denken gewesen! (geschweige denn an zwei)
Was werden die zwei Truhen am Tag brauchen? Eine braucht vielleicht 1 kWh am Tag oder 0,5 kWh, wenn's eine sparsame ist. Im zweiten Fall ist es bei zwei Truhen wieder 1 kWh am Tag.
Wollte man 90 Tage rein aus den Batterien decken, wären es erst mal 90 kWh. Mit Verlusten des Wechselrichters braucht man (optimistisch) wenigstens 100 kWh. Da man die Batterien nicht 100% entladen darf, sondern lieber nur 50% (-> Stichwort "Entladetiefe"), bräuchte man eher Batterien mit einer Nennkapazität von 200 kWh. Das wäre sehr teuer (bei 300,- € / kWh wären es 60 000,- €), vgl. Wert des Inhalts der Truhen.
Und nach nur rund 20 Jahren wären sie schon wieder ziemlich am Ende. Bei der Wiedervereinigung gekaufte Batterien wären heute sicherlich kaum noch zu gebrauchen. Solarmodule sind nach so einer kurzen Zeit dagegen fast wie neu (wenn alles gegen Hagel, Wind, Schnee und Blitz sicher genug gebaut ist).
Fazit: Lieber mehr Solarmodule, damit man mit weniger Batterien auskommt.

Auf der oben verlinkten Seite wiederum als Link gefunden: Eigenheim: So koppeln sich Hausbesitzer von der Stromversorgung ab Zitat: "Bisher stellte vor allem der Winter Selbstversorger vor Probleme. Denn dann liefern die Solaranlagen auf dem Dach kaum Elektrizität. Die Idee ... ist es, dass in dieser Situation nun das BHKW eingreift und Strom liefert."
Das ist eine Möglichkeit, wenn es um eine Lösung für ein ganzes Haus geht, im Winter den knappen Solarstrom mit Kraft-Wärme-Kopplung zu ergänzen (evtl. eines Tages mit Thermovoltaik). Dann passt die Winterkälte indirekt, weil man dann Heizbedarf hat.

Wenn es primär um die Gefriertruhe(n) geht, kann man die Winterkälte mehr direkt nutzen. Im Extremfall, wenn es draußen -18°C oder darunter hat, bräuchte man die Truhe nur (samt Inhalt) draußen unter Dach stellen, ohne Stromanschluss.
Der nicht so extreme Fall "kalt aber nicht kalt genug - wenn also der Kompressor noch was tun muss" ist leider komplizierter. Eigentlich wäre der Verbrauch nur etwa anteilig der Temperaturdifferenz. Bei 0°C Umgebungstemperatur würde halb so viel Strom verbraucht wie bei +18°C. Aber die Hersteller geben für ihr Gerät eine Klimaklasse an, die eine Mindesttemperatur bedeutet von z.B. 5°C oder 10°C. Darunter kann es sein:
- dass der (ungünstig platzierte) Temperaturfühler "meint", es sei kalt genug, und den Kompressor schon abschaltet, während andere Stellen in der Truhe zu wenig gekühlt werden.
- dass angeblich das Schmieröl im Kompressor zu dickflüssig wird ... (was aber spätestens vorbei sein sollte, wenn der Kompressor warm ist).

Bei unserer Truhe riskiere ich es trotzdem. In der Speisekammer bei offenem Fenster hat es immerhin im Winter zeitweise nur knapp über 0°C
Bisher habe ich keine Probleme bemerkt - und sie verbraucht dann nur etwa die Hälfte an Strom. Weniger Sonne(nstrom) im Winter und niedrigere Außentemperatur sind ja kein Zufall und passen hier wenigstens grob zusammen.

Zum neuen Forum: Ja, die blasse Schrift ... ich bin aber dankbar dafür, dass das Forum weiter geführt wird. Dafür gibt's ja ein eigenes Thema: Neues Forum - Inhalt Layout und Design. Ich wüsste hier diverse Themen, zu denen ich gern was schreiben würde, aber ich muss wieder andere Dinge machen. Der Garten braucht mich ...

Schöne Grüße, Wolfram
Dürre

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