Von Azolla bis Zuckerrüben

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von Tourix
#107368
EU genehmigt 19 gentechnisch veränderte Pflanzen:
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/mei ... 57143.html

Es wird betont, dass jede Nation ihre eigenen Gesetze dafür oder dagegen erlassen dürfen. Aber ich habe die Befürchtung, dass eben diese Gesetze so langsam aber sicher aufgeweicht werden.
von Wolfram
#108186
geschrieben am 16.3.2015 (siehe unten):

hunsbuckler hat geschrieben:Lieber Wolfram!

Selbstverständlich respektiere ich Dein anthropozentrisches Weltbild und will Dich auch gar nicht missionieren.
Aber nimm es mir bitte nicht übel, wenn ich auf die intellektuelle Herausforderung durch die groteske Verkehrung von Ursachen und Folgen reagiere:

Hallo hunsbuckler,

kein Problem, danke für die detaillierte und gut ausformulierte Antwort.
Das Meiste ist mir zwar bekannt (ich deute es nur anders), aber ich habe auch Neues gelernt.
Soll ich die "intellektuelle Herausforderung" als Kompliment auffassen? - naja, wenn ich das Ende des Satzes lese, wohl nicht.

anthropozentrisches Weltbild? Ja und nein.

Natürlich schreibe ich aus der Perspektive eines Menschen und für Menschen. Da sind Beispiele aus dem menschlichen Erfahrungsbereich naheliegend und am ehesten nachvollziehbar (kann ja nicht ahnen, dass mir daraus ein Strick gedreht wird).
Außerdem haben die Menschen eine besondere Rolle in der Natur, allein schon weil sie sich der Schönheit der Schöpfung wahrscheinlich am ehesten bewusst sind.

Es geht aber nicht nur um die Menschen. Als ich schrieb "dass noch viel vom Paradies übrig ist", nannte ich als Beispiel die Vögel, die auch noch im Paradies sind - sogar noch mehr als die Menschen. Die Menschen machen mit ihren Irrwegen an erster Stelle sich selber das Leben schwer (Bürokratie, Hektik, Zivilisationskrankheiten usw. usf. Es gibt kein größer Leid, als das der Mensch sich selbst andeit! - wohl ursprünglich aus einem Theaterstück?). Die Vögel haben nur zum kleinen Teil auch darunter zu leiden (ich nannte als Beispiel den Straßenlärm).
In der Bibel heißt es so schön: Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie.
Auch für die Fische ist gesorgt, z.B. durch die Anomalie des Wassers ...
Das Prinzip gibt's übrigens auch in der Permakultur, Zitat: Zur Philosophie gehört, dass sich Pflanzen, Tiere und Menschen wohl fühlen sollen. Über 70 Teiche sorgen für ein angenehmes Kleinklima. Für Menschen (und Tiere) ist es angenehm, in nicht zu großen Abständen Trinkwasser zu haben.

hunsbuckler hat geschrieben:- Die Lehre von Darwin wird z.Zt. überbewertet?
Das sieht die überwältigende Mehrheit der wissenschaftlichen Community anders und entwickelt sie nicht nur beständig weiter (unter Relativierung bzw. Richtigstellung anfänglicher Detail-Irrtümer) zur heutigen synthethischen Evolutionstheorie, die weit über Darwin hinausweist und Erkenntnisse widerspruchsfrei integrieren kann, die Darwin damals noch nicht verfügbar waren.

Dass das die Mehrheit anders sieht - recht viel anderes habe ich auch nicht geschrieben: "Bei uns ist die rein darwinistische Sicht gerade in Mode."
Überwältigend finde ich diese Mehrheit nicht. Zwar sage ich manchmal, wenn einem Viele entgegen kommen, sollte man überprüfen, ob man nicht selbst der Geisterfahrer ist ... aber eben nur überprüfen! Es heißt noch lange nicht, dass die Mehrheit automatisch Recht hat, im Gegenteil. Die Erfahrung machten wir schon im Mathematikunterricht in der Schule. Da kam es vor, dass die Meisten ein falsches Ergebnis hatten, weil sie auf etwas herein gefallen sind.

Wenn ich es mal von der anderen Seite her betrachte: Wie würde ich ein Paradies (im Sinn einer idealen Welt) entwerfen? Dann könnte das, was Darwin beschrieben hat, durchaus ein gutes Elment sein, z.B. damit es automatisch gute Früchte gibt, die sich sogar automatisch wechselnden Geschmäckern anpassen. Das soll nicht heißen, dass ich auf die Idee gekommen wäre, aber ich finde es eine gute Idee.
Vielleicht ist dadurch der "täuschende Eindruck" entstanden, dieses Element wäre die Erklärung für die Natur schlechthin.

Ich habe gar nicht den Eindruck, dass in der Natur dieser "permanente Wettbewerb um Ressourcen" herrscht. Vielmehr geht es dort überwiegend sehr gemütlich zu. Beispiel: Die Tiere gönnen sich so viel Schlaf, wie sie brauchen und verbringen auch sonst sehr viel Zeit mit Nichtstun.

Die Rastlosigkeit, der "permanente Wettbewerb", scheint eher typisch für Menschen zu sein - auch nicht für alle, aber gerade für die, die sich als "fortschrittlich" bezeichnen. Über Jahrtausende haben sie sich gegenseitig Kriege geliefert, in Schlachten Grenzen hin und her geschoben. Die Burgen und Festungen sind Zeugen davon. Das Wettrüsten im kalten Krieg gehörte dazu, aber es geht immer noch weiter.
Kann es sein, dass Menschen mit so einem Verhalten die Theorie von Darwin wie gerufen kommt, als prima Rechtfertigung für ihr Verhalten? Kann es sein, dass sie von sich auf andere schließen - oder gleich auf die ganze Natur?
Es sind nicht alle so. In Südamerika soll es eine Kultur gegeben haben, die 5000 (oder waren es 6000?) Jahre keinen Krieg hatte. Neuankömmlinge aus Europa waren nicht so nett. Von den Indianern Nordamerikas ist nicht mehr viel übrig und die Spanier haben z.B. den Inkas weitgehend den Garaus gemacht.

Schon wieder Südamerika ... Das hatten wir doch schon bei der Frage von PowerGmbH, ob es einen Fall von menschgemachter "nur Verbesserung" gäbe. Darauf sind mir die seit über 1000 Jahren bestehenden Hügelbeetanlagen in französisch Guyana und die Terra Preta eingefallen. Ist es Zufall, dass dort wo man weniger kriegerisch war, Konstruktives hervorging?
Den zu den Hügelbeeten gefundenen Atrikel Von wegen Brandrodung sehe ich jetzt auch noch in einem neuen Licht.
"Ein internationales Forscherteam widerlegt die allgemein verbreitete These, die ursprüngliche Bevölkerung Amazoniens habe Brandrodungsfeldbau betrieben.[...]
Nach den Ergebnissen einer neuen Studie verhielt es sich aber genau anders herum: [...] Zum anderen verbreiteten die Eroberer den ihnen bekannten Brandrodungsfeldbau, vermuten Iriarte und seine Kollegen."

Da sieht man, wie wenig man oft schon über die jüngere Geschichte weiß und wie leicht falsche Schlüsse gezogen werden - vor allem wenn man von sich auf andere schließt.

hunsbuckler hat geschrieben:"Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn außer im Lichte der Evolution".

Sie findet auch immer mehr Anwendungsgebiete außerhalb der Biologie, etwa Geistesgeschichte oder Ökonomie, wo die Evolutionstheorie eine bessere Erklärungskraft aufweist als so manche konkurrierende Theorien.

Sinn ist ein gutes Stichwort.
Welchen Sinn hätte denn das Dasein, wenn alles nur zufällig entstanden wäre? Welchen Sinn hätte der ganze Kampf um's Dasein? Wozu die ganze Auslese?
(Das war jetzt gemein von mir, denn das Wort Sinn hat zwei Bedeutungen - einmal logischer Zusammenhang - und einmal Wert der Existenz. Beides ist aber relevant und hängt zusammen.)
So gesehen würde ich sagen, die ganze Biologie und auch der Rest der Schöpfung (Wasser, Berge, Regenbogen, Welt, Sterne ...) haben nur einen Sinn, wenn es jemand gibt, der sich daran erfreut.

Wenn auf "immer mehr Anwendungsgebieten" die Evolution gilt - dann wäre das doch mehr oder weniger das Recht des Stärkeren?
Wie kann man dann halbwegs objektiv z.B. gegen die Geschäftspraktiken von Monsanto & Co. argumentieren?
Würde das dann nicht zum bloßen subjektiven Gezeter der Unterlegenen verkommen?
Die Firmen könnten dann sagen: Ätsch, die Evolution gibt uns Recht.

hunsbuckler hat geschrieben:- Der Begriff "Paradies" leitet sich aus dem altpersischen "Paire-Daeiza" ab und bedeutet "umhegter Garten" (so wie auch "Garten" von "Gerten" kommt, mit denen der Garten um"gürtet" ist.
Somit bezeichnet der Begriff keineswegs einen ursprünglichen Naturzustand, sondern eine uralte Fruchtbaum-Kulturlandschaft ...

Jetzt erst mal dazu, bevor wir weiter aneinander vorbei reden.
Dass das Wort "Paradies" aus dem Persischen kommt, und so etwas wie umrandeter Garten o.ä. bedeutet, ist mir bekannt.
Man hat eben nicht immer ein passendes Wort für das, was man beschreiben will. Deswegen greift man auf bekannte Begriffe zurück. Soll man sagen "Garten Eden"? - aber das ist ja schon wieder ein Garten. Naja, der Garten ist eben ein naheliegendes Bild für das, was mit Paradies gemeint ist.
(Zum Vergleich: "Software" als Begriff für Computerprogramme - hat mit weich im Sinn eines Kissens nichts zu tun. "Windows" heißt eigentlich nur Fenster, aber es war eben anschaulich, weil die laufenden Programme in Form rechteckiger Flächen auf dem Bildschirm dargestellt werden, die mit einiger Phantasie an Fenster erinnern. "Bildschirm", "Desktop", "Maus" ... da könnte man noch lange haarspalten.)

Das was z.B. Heinrich von Kleist als die "tragische Existenz" des Menschen bezeichnet, meint sicherlich nicht nur die aufsässigen jungen Männer, die aus persischen Gärten verjagt wurden, sondern eher das, was man heute täglich in den Nachrichten hört.
Dazu passt z.B. das Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" von Jean Liedloff. Die junge US-Amerikanerin hatte 2 1/2 Jahre bei den Yequana-Indianern in Südamerika gelebt. Wenn diese eigentlich schwere Arbeit machen, z.B. Bäume fällen und transportieren, um eine Hütte zu bauen, sind sie dabei vergnügt wie Kinder. Sie haben nicht mal einen Begriff für Arbeit, sondern nur für ihre verschiedenen Tätigkeiten. (siehe z.B. auch Rezensionen bei Amazon).

hunsbuckler hat geschrieben:- Nicht die Apfelbäume "bemühen sich", besonders wohlschmeckende Früchte zu tragen.
Vielmehr unterliegen die Wildapfelbäume dem beständigen Selektionsdruck, ihre (vergleichsweise mickrigen und sauer/herben) Früchte attraktiv genug für Samenverbreiter, aber nicht zu attraktiv für Freßfeinde zu entwickeln.
Es haben sich Arten durchgesetzt, die mit alternierender Massenproduktion ihre Fraßfeinde erst jahrelang kurzhalten, um sie dann in Mastjahren mit Fruchtmassen zu überschütten, so daß genügend Sämlinge durchkommen.
Diese Neigung zur Alternanz versucht der Mensch ihnen mühsam abzuzüchten, so wie die heutige Größe, Süße und der verringerte Gehalt an Säuren, Bitterstoffen, Fasern und Steinzellen das Ergebnis jahrtausendelanger Zucht- und Veredelungsarbeit ist (die möglicherweise seinerzeit von traditionsverhafteten Kreisen als Teufelswerk verpönt war?).

Die Formulierung "bemühen sich" habe ich absichtlich gewählt.
Erstens nach dem Motto "jetzt erstrecht". Ich weise damit die Kritik an meiner Aussage "Die Natur strebt Vielfalt an" zurück. Das ist meine Erfahrung. Da muss ich nicht Sätze wie: Vielfalt "ergibt sich" sehr häufig aus der Summe aller weit überwiegend unbewußten Einzelbestrebungen der Organismen, am Leben zu bleiben und sich fortzupflanzen. hinzufügen, so als würde jemand ängstlich darüber wachen, dass niemand zu wenig der darwinistischen Theorie huldigt (wie man in einem totalitär regierten Land der jeweiligen Regierung huldigen soll).
Zweitens habe ich tatsächlich die Erfahrung, dass sich Lebewesen ziemlich bereitwillig anpassen. Daher sind z.B. so erstaunliche Fortschritte in der Züchtung möglich. Es betrifft aber nicht nur die direkte Vererbung. Was nicht gebraucht wird, bildet sich zurück (z.B. die Muskeln, wenn man nur ein paar Tage ans Bett gefesselt ist). Was gebraucht wird, entwickelt sich weiter (Beispiel Hör- und Tastsinn bei Blinden). Dass sich die Lebensgeschichte der Eltern auf die Kinder vererbt (was mit klassischer Vererbungslehre nicht erklärbar ist, und unter dem Begriff Epigenetik als neue Erkenntnis verkündet wurde) hätte ich sowieso erwartet, weil es nur allzu sinnvoll und logisch ist. Bis zu längeren Zeiträumen: Dass Amseln - bis ca. 1850 gejagt und daher scheue Waldvögel - im Lauf von 150 Jahren lernten, dass sie von den Menschen nicht mehr gejagt werden, und Kulturfolger wurden, passt ebenfalls prima ins Bild (egal, ob man es im Detail mit Genen oder Schaltern oder sonst wie erklärt).

Die Erfolge der Züchtung sehe ich, wie gesagt, zwiespältig.
Ich freue mich über größere Früchte. Mit den kleinen ist es ja manchmal sehr mühsam (Beispiel Vogelkirschen). Andererseits sind die kleinen Früchte oft viel gehaltvoller, Beispiele: Aroma der Walderdbeeren oder der Mini-Kiwi (oder Vitamin-C-Gehalt je 100 g: große Kiwis: 80 - 150 mg, kleinere arguta-Sorten: 140 – 400 mg, noch kleinere Kolomikta–Sorten: 800 – 2300 mg).
Viele Pflanzen wehren sich gegen gefressen-Werden bzw. übermäßiges gefressen-Werden: Bitterstoffe, Schärfe, Säuren, Brennhaare, Stacheln, Saponine, Tannine, und Giftstoffe.
Diese haben aber auch ihr Gutes.
Man kann ganz gut mit den Fraßhemmern zurecht kommen. Man muß nur aufhören, wenn einem etwas zu viel wird. So kommt man auch nicht in Gefahr, sich einseitig zu ernähren.
Bitterstoffe sind zwar unangenehm, aber der Gesundheit eher zuträglich. Vor zwei Jahren hatte ich orangefarbene Auberginen im Garten, die ziemlich bitter waren. Eine kleine pro Mahlzeit war aber irgendwie sogar genießbar. Ich las, in Afrika würde die Sorte geschätzt, gerade wegen ihrer Bitterkeit.
Manches wird geschätzt wegen seiner Schärfe. In heißen Ländern hilft scharfes Essen gegen Krankheitserreger (mehr Magensäure - man darf nur nicht dazu trinken).
Manche Säuren gehören zum Aroma. Die heutigen Apfelsorten im Handel finde ich oft langweilig, kaufe daher fast nie Äpfel, sondern genieße die aus dem Garten und von Streuobstwiesen.
Bei Brennnesseln und Disteln sage ich immer, "sie spielen mit offenen Karten". Tatsächlich sollen alle Disteln essbar sein (ohne Gewähr).
Zum Teil bin ich einfach froh darum, dass Pflanzen von sich aus etwas wehrhaft sind, weil ich mir dann nicht so Gedanken um Schädlinge machen brauche.
Schließlich die Giftpflanzen - viele von ihnen können Tieren und Menschen als Medizin dienen.

Die Erklärung zur Alternanz fand ich interessant. Die kannte ich so noch nicht. Es ist eine plausible Erklärung, wenn auch nicht die einzige. Es kann auch am Wetter liegen (erfrorene Blüten u.ä.) oder an Verausgabung durch reichen Ertrag. Ich sehe aber einen nicht unbedeutenden Vorteil darin.
Der Lauf der Jahreszeiten bringt schon einige Abwechslung ins Leben, aber es wäre auch eintönig, wenn jedes Jahr gleich verliefe. Letztes Jahr hatten wir sehr wenig Walnüsse - aber dafür sehr viele Haselnüsse. So habe ich diesen Winter viele Haselnüsse gegessen (habe bestimmt noch 10 kg). Ich genieße sie immer noch, aber wenn es nächsten Winter wieder anders ist, macht es nichts. (Auch dass es mit dem Wetter spannend bleibt, finde ich gut. Die Menschen würden es ja auf Jahre vorhersagen, wenn sie könnten.)

hunsbuckler hat geschrieben:- Darwin wäre nie auf die Idee gekommen, erklären zu wollen, warum Bienen Honig "für uns" sammeln sollten.
Seine Theorie erklärt aber widerspruchsfrei, wie es Jahrmillionen, bevor sich überhaupt Wirbeltiere entwickelten, in Ko-Evolution eine Symbiose zwischen Blütenpflanzen mit energiereichem Nektar und bestäubenden Insekten entwickeln konnte.

Ja, der Herr Darwin kann natürlich nichts dafür, dass Viele seine Beobachtungen heute derart unnatürlich überbewerten - und meinen quasi die ganze Biologie damit erklären zu können.
Die Bienen sind für mich ein gutes Beispiel dafür, dass die Tatsache, dass ihr Honig auch für Menschen (und Bären etc.) bekömmlich und ein Genuss ist, jedenfalls nicht damit erklärbar ist, dass es für die Bienen einen evolutionären Vorteil gebracht hätte (anders als beim Apfel). Erstens dürfte bestohlen zu werden kein Vorteil sein. Zweitens gab es die Bienen schon lang vorher (soviel ich weiß seit 50 Millionen Jahren).

Ein weiterer Punkt ist die Einzigartigkeit. Weltweit mehr als 20.000 Wildbienen-Arten, die vermutlich alle (?) von Nektar und Pollen der Blüten leben, aber keinen nutzbaren Vorrat anlegen, machen sehr deutlich, dass die Lebensweise der Honigbiene nicht im geringsten selbstverständlich ist.

Für die Pferde dürfte die Tatsache, dass ihr Rücken für Menschen so passend geformt und tragfähig und ihr Wesen gelehrig genug ist, jedenfalls auch nicht mit einem evolutionären Vorteil erklärbar sein - allein schon weil "das moderne Pferd älter ist als der reitende Mensch".
Danke für die Erklärung zum Zebra. Da habe ich echt was dazu gelernt. Ich wusste nicht, dass es kaum gezähmt werden kann. Das ist für mich aber wieder ein Beispiel dafür, dass die Eigenschaft der Pferde nicht selbstverständlich ist. (Klar ist es ein weiter Weg vom Wildpferd zum gutmütigen Reitpferd, aber die Voraussetzungen sind eben gut genug.)
Das müsste nicht so sein. Aus dem "permanenten Wettbewerb um Ressourcen" hätten genauso irgendwelche "Saurier" mit stacheligem Rücken hervorgehen können, oder "Aliens" wie Autoren von Horrorfilmen sie ersinnen.
Ähnlich ist es mit vielen anderen: Schaf, Hund, Katze ... Warum tut ihr Schnurren auch Meschen gut? Evolutionär dürfte diese Querverbindung nicht erklärbar sein, allein schon weil Menschen und schnurrende Katzen wohl erst sehr spät zusammen getroffen sein dürften. (Man hat auch noch nicht genau verstanden, wie Katzen das Schnurren erzeugen.)
Warum ist Holz so gut für Feuer geeignet? Zum Vergleich: Leute, die Getreide verbrennen wollen, haben mit Verglasung der Asche zu kämpfen.
Warum sind Blumen für Menschen so schön? Damit Bienen sie finden würde eine einfache farbige Fläche reichen (z.B. wie man sie in Versuchen mit Bienen verwendet).
Man kann natürlich sagen, die Menschen sind das lange gewöhnt (es ist quasi genetisch verankert) und daher finden sie den Anblick schön.
Warum finden dann Astronauten den Blick auf die Erdkugel so überwältigend schön? Der ist doch ziemlich neu.

Über die Biologie hinaus: Warum gibt es überhaupt diese Erde, deren Eigenschaften so unglaublich genau passen?
Ein Blick auf andere Planeten zeigt, wie ungemütlich es sein könnte ...
Piloten in Verkehrsflugzeugen erleben oft ihre Rente nicht, wegen der kosmischen Strahlung. 12 km Höhe, was ist das schon in der Horizontalen? Gerade mal ein Spaziergang ... ein Tausendstel des Erddurchmessers! Erst in diesen 12 km Luft wird offenbar genug kosmische Strahlung abgefangen.
Kürzlich hörte ich, dass auch unser überdurchschnittlich großer Mond wichtig für das höher entwickelte Leben auf der Erde sei. Entstanden sei er durch Kollision der Ur-Erde mit einem Mars-großen anderen Planeten. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einer solchen genau passenden Kollision?

Wer will, kann in der Froschperspektive herumkrebsen und für jedes Detail eine nüchterne "sachliche" Erklärung suchen - und wird meist eine finden, à la Alles Zufall oder Die Anomalie des Wassers liegt an der Wasserstoffbrückenbindung etc. Warum die Naturgesetze so sind, wie sie sind, wird er doch nicht erklären können, oder
warum alles zusammen so ein zauberhaftes Gesamtbild ergibt.

hunsbuckler hat geschrieben:- Daß das "Singen" der Vögel von uns als harmonisch empfunden wird, liegt daran, daß der Wettbewerb um Paarungspartner und Brutplätze und die Abwehr von Konkurrenten im unübersichtlichen Dschungel hohe, klare und durchdringende, artspezifische "MinneLieder" und "Kampfgesänge" befördert.
Wenn das den Konkurrenten nicht ausreichend beeindruckt, wird erbittert gekämpft; ebenso wird auf Beutegreifer (Greifvögel, Katzen) lautstark "gehasst" und diese im Schwarm angegriffen und mit Kot bespritzt.
Es erfordert schon Schuppen auf den Augen, das nicht als Krieg zu erkennen.
Wenn Vögel Zeit haben, mit Artgenossen um die Wette zu singen, statt sich zu verstecken oder Warnschreie auszustoßen, ist das für den Menschen ein Zeichen, daß die Gegend gerade nicht von Raubtieren unsicher gemacht wird und mensch sich in Sicherheit wiegen darf.

Mir ist durchaus bekannt, dass Tiere zuweilen um die Rangordnung kämpfen. Erst kürzlich bekam ich eine besorgte Zuschrift von einer Laufenten-Besitzerin, ihre Erpel würden sich nicht mehr vertragen. Ich konnte sie beruhigen. Schließlich ist Frühjar. Die Laufenen-Erpel verletzen sich normalerweise nicht ernsthaft. Aber selbst wenn es bei anderen Tieren ziemlich rau zugeht - das ist für sie offenbar im grünen Bereich. Wenn es einem zu viel wird, braucht er nur nachzugeben. Dann hat er schnell seine Ruhe (in Gefangenschaft kann es anders sein). Das heißt nicht, dass er nicht anderswo Erfolgschancen haben kann.
Ich schrieb schon: "Irgendwann werden sie gefressen, aber davor hatten sie wahrscheinlich ein unbeschwertes Leben." Auch beim gefressen-Werden, muss natürlich geklärt werden, ob es schon an der Zeit ist (erinnert mich an den Brandner Kaspar ...).
Wenn ein Raubtier (Beutegreifer) kommt, ist es doch klar, dass sich Tiere wehren und besonders ihre Jungen schützen wollen. Bei Menschen hat man für sowas großes Verständnis, Stichwort Notwehr. Auch wenn eine Mutter sich "wie eine Löwin" vor ihre Kinder stellt, genießt das großen Respekt.

Das mit den Kriegen der Menschen zu vergleichen finde ich absolut daneben.
- Da geht es so oft um Machtkalkül und Prestige, wie das hin - und her Schieben von Staatsgrenzen. Staaten in diesem Sinn haben Tiere gar nicht. Sie haben teils ein Territorium, aber das würde bei den Menschen allenfalls Stammesgesellschaften entsprechen. Ansonsten leben die Tiere in "Anarchie". Sie haben die Welt nicht in Staaten eingeteilt. (Was man bei manchen Insekten als Staat bezeichnet ist auch etwas anderes.) Sie machen erstrecht keine Weltkriege. Tiere werfen keine Atombomben.
- Heute geht es zunehmend um "Ressourcen", wie Erdöl, die aufgrund der unnatürlichen Lebensweise von Menschen als "nötig" erscheinen.
- Die eigentliche Ursache sind also die schon beschriebenen Irrwege, wie z.B. die eingebildete Notwendigkeit eines Wettrüstens oder wirtschaftlichen Wettlaufs.
- Die, die den Krieg wollen, und die, welche kämpfen sollen, sind nicht die selben.
- Wer es nicht will, kann nicht einfach nachgeben und sich zurückziehen, und es haben vor allem Unbeteiligte darunter zu leiden.
Bei diesem Vergleich muss ich leider sagen: intellektuelle Herausforderung nicht bestanden.

Ich lebe nahe genug an der Natur, um auch das gefressen-Werden u.ä. zu kennen. Da bin ich großzügig und zähle es mit zum Paradies dazu.
Ein ewiges Leben - da könnte es wohl keine Kinder geben? Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt wollen würde. Im Haus einer Familie hier in der Nähe hängt der Spruch:

Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben - Sterne, Blumen und Kinder.


Schöne Grüße, Wolfram


PS: Den Beitrag habe ich schon am 16.3.2015 geschrieben. Ich habe ihn erst nicht "abgeschickt", weil sich die Diskussion in eine andere Richtung entwickelt hatte. Da hätte er schlecht hinein gepasst.
Außerdem wollte ich eigentlich noch etwas zum Thema Esskastanien antworten, aber ich hatte mein Buch darüber verlegt. Inzwischen ist das Buch wieder aufgetaucht, aber darüber kann ich bei Gelegenheit extra schreiben. Ich lasse den alten Beitrag erst mal so. Lang genug ist er ja ;-)
von sophie
#108187
Hallo Wolfram!

Ja, bitte schreib etwas über Esskastanien (=Maroni). Eine meiner Lieblingsspeisen.

LG, Sophie
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