Zum Abschluss noch ein Pilz…

Infinity Mushrooms

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Eine einfache Rechnung: 850.000 geteilt durch 2 und das Ergebnis mal 17,5 – das sind 1.437.500. runden wir etwas auf, sind es 1.5 Millionen und zwar Kubikmeter Erdgas pro Jahr die deutsche Krematorien im Schnitt verbrauchen. Man rechnet zusätzlich mit 180 kG CO2 je Person – was 76,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr entspricht.

Gut – nun kann man sagen: ohne Öl und Gas, wird’s wohl auch so gehen. Das stimmt aber nur begrenzt. Zum einen sind die Körper von verstorbenen häufig stark kontaminiert mit Resten von Arzneimitteln. Holz wird sicherlich in einigen Gegenden Mangelware sein oder werden. Und wenn wir es mit Überbevölkerung zu tun haben, auch mit Platzproblemen. (Bereits heute gibt es in Großstädten Probleme).

Es gibt auch andere Probleme rund um das Thema Beerdigung: „Wachsleichen“ – auf einigen Friedhöfen ist der Anteil der Verstorbenen, die  auch nach 30 oder 60 Jahren nicht vermodert sind bei 80%. Staunässe und hoher Körperfette-Anteil  begünstigen diesen Prozess. Hier ein Artikel aus Bayern zu diesem Thema

In Anbetracht dessen kann man sich durchaus über eine neue Bestattungskultur Gedanken machen.  Warum nicht das Leben beschließen im Gewissen, „gut kompostierbar zu sein“ – der Natur etwas von dem zurückgeben, was man von ihr erhalten – nur eben im Wissen um die Prozesse , die mit einem vorgehen, wenn man beerdigt wird. Hier hat sich eine Gruppe von Menschen Gedanken gemacht – und züchtet zu Lebzeiten die Sporen der Pilze, die nach dem Tod für die Zersetzung verantwortlich sind- und  so sind diese Pilze (so wohl der Gedanke) der Schritt bewusste Schritt in Richtung unendlichen Fortbestehen. Hier ein Film aus der Serie TED Talks

Urban Death Project

Zu Lebzeiten die Speisepilze zu züchten, die geeignet sind, um den Verwesung- und Schadstoff-Abbau-Prozess zu unterstützen ums sich dann gemeinsam mit deren Sporen beerdigen zu lassen – das ist schon eine klasse Idee.

Wem das radikal erscheint, der möge sich das „urban death“ Projekt anschauen. Auch hier geht es um eine neue Beerdigungskultur. Bei diesem Projekt haben sich tatsächlich Spezialisten aus verschiedensten Bereich zusammengefunden – also Menschen, die sich mit Kompostierungsanlagen auskennen , Rechtsanwälte, Forensiker, Landwirte, Stadtökologen, Architekten. Zur Finanzierung der weiteren Projektphasen gab es eine erfolgreiche Kickstarter Kampagne, die mit fast 80.000 Dollar sogar überfinanziert wurde.

Kompostierungsanlage für Leichen im städtischen Raum

Kompostierungsanlage für Leichen im städtischen Raum

Geplant ist im Grunde eine Kompostierungsanlage für menschliche Überreste – also die Errichtung eines hoch spezialisierten Gebäudes. Die „Beerdigung“ erfolgt im Kern des Gebäudes (im Bild grau dargestellt), der oben mit einer Plattform abschließt. Dies ist über eine schneckenförmige Rampe zugänglich, über die der Trauerzug den Kern des Gebäudes erklimmt – ähnlich (und ich will hier keine Assoziationen wecken) wie bei der Kuppel des Reichstagsgebäudes in Berlin. Oben angekommen wird der in Leinen-Tücher eingeschlagene Leichnam in eine Vertiefung im Boden gelegt und mit Holzspänen und anderen kompostierbaren Beigaben versehen der Kompostierung zugeführt.Zeremonie Urban Death Kompostierungsanlage für Leichen

Wie man auf dem Bild gut sehen kann, hat der Kern im Kellerbereich eine Verbindung nach außen, so dass dort der Kompost wieder entnommen werden kann und für „urban gardening“ weiterverwendet werden kann.

Man kann sich sicherlich der Kompostierung von Leichen noch auf pragmatischere Weise nähern. Sympathisch ist jedoch, dass dieses Projekt einen Schwerpunkt auf den kulturellen und auch kultischen Aspekt der Anlage setzt.

Es hat sich bei vielen Menschen die Erkenntnis durchgesetzt, dass mindestens unser Körper aus der Natur kommt und auch wieder in die Natur zurückgeht und Bestandteil dieses Energie- und Stoffkreislaufes sind wie die Blätter eines Kastanienbaumes, die im Herbst fallen.
Die Menschheit hat fast den gesamten Planeten „in ihrer Gewalt“ hat aber global gesehen für sein eigenes Ende keine wirklich hilfreichen Lösungen gefunden, die sowohl im Einklang mit der Natur sind, als auch den kulturellen, kultischen Bedürfnissen der Menschen entsprechen. An dieser Stelle ist noch Platz für etwas neues – einen Prozess, der den Kreislauf des Lebens auch wirklich rund macht.

Sterben in Zeiten von Peak-Oil

Um noch einmal die Kurve zu Peak-Oil zu bekommen: wir leben in einer Welt, in der wir uns die Folgen unseres eigene Tuns selten bewusst machen. Wir leben auch in einer Welt als Menschen, die vor nicht allzu langer Zeit noch auf den Bäumen gehockt, dann Speere geworfen, Hüten gebaut haben, die Landwirtschaft entwickelt und brennende Büsche verehrt haben. Aus allen dieser Phasen haben tragen wir Erinnerungsstücke mit uns herum und sie bestimmen unser Leben heute in beeindruckendem Maße. Trotzdem steht es uns frei, uns anders zu entscheiden – und nicht den Frühmenschen oder den Stammeskrieger in uns das Ruder übernehmen zu lassen. Als solche können wir hinter den Vorhang des Traditionellen schauen, auch ohne dass uns dadurch etwas genommen wird.

Viele Menschen glauben an ein ewiges Leben nach dem Tode – und das stimmt in Bezug auf die sterblichen Überreste tatsächlich – jedes Atom lebt weiter, in der Atmosphäre, im Boden oder im Gemüsebeet des Nachbarn. Wir haben (kaum) keine andere Wahl, als auf diesem Planeten zu bleiben und Bestandteil des Stoffkreislaufes zu bleiben. Es ist jedoch selten notwendig, noch ist es wirklich wirklich ästhetisch, dass die sterblichen Überreste sich in den Abgas-Reinigungsanlagen erdgasbetriebener Hochleistungsöfen verfangen – „Wo ist Opa jetzt?“ – „Teils in der Luft, teils in dem Filter des Krematorium, teils in der Dose, die wie heute Nachmittag vergraben“. Auch die Vorstellung, dass Körper in der Erde nicht einfach verrotten, weil man denkt, sie sollten oder würden es tun ist nicht das Sinnbild von Ästhetik. Die kontrollierte organische Kompostierung jedoch ist in hohem Maße ästhetisch – auch deshalb weil sie das zum Prinzip erklärt, was das Prinzip der uns umgebenden Natur ist: Kreisläufe aus Werden und Vergehen.

Wir können unserer Verantwortung für die Umwelt und nachfolgende Generationen eher gerecht werden, wenn wir den Primärenergieeinsatz für unsere Bestattung reduzieren und sicherstellen, dass wir, wenn wir ableben, mit einer guten Effizienz recycelt werden können. Viele machen sich Gedanken darüber, nicht mehr einfach mit Erdgas heizen zu können, andere darüber, dass es der Menschheit an fruchtbaren Böden mangelt. Konsequentes und effizientes organisches Recycling ist daher eine gute Antwort auf die Frage, was mit uns nach unserem Tod passieren sollte. In Hinblick auf Peak-Oil und die Endlichkeit anderer Rohstoffe sollten wir wir hier unsere Traditionen überdenken.

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2 Comments

Von marc, hunsbuckler


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