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Peak Oil Filme

Interview mit Basil Gelpke zum Film „The crude awakening“

Bei der ersten peak-oil Tagung der ASPO Schweiz am 9. Juni hatte ich Gelegenheit zu einem Interview mit den Autor des Films "The crude awakening"

Der sehenswerte Film kommt ab Oktober als DVD in den deutschen Handel.


Wann und wie bist du auf das Thema Peak-Oil aufmerksam geworden?

Zu dem Thema bin ich über einen Bankbericht gekommen, den ich vor rund fünf Jahren einmal gelesen hatte. Entsprechend dem vielen Geld, das dort ja immer im Spiel ist wird auch die Forschung mit viel Aufwand betrieben. Diese Studie („What price for the last drops?“ http://www.platinum.com.au/Interesting_articles.htm) kam zu dem Schluss, dass sie Welterdölvorräte doch erheblich rascher zu Neige gehen als wir dies gemeinhin annehmen und dies nicht zuletzt wegen der stetig steigenden und in ihren Auswirkungen unterschätzten Nachfrage aus Indien, China aber auch anderen Ländern, z.B. des Mittleren Ostens. Das war der Auslöser für mich, mich mit dem Thema zu befassen; auch weil ich Kinder habe und mir der verbleibende Zeitraum von 20-40 Jahren, der dort aufgezeigt wurde, nicht so allzu lang vorkam. bin Ich bin dann an dem Thema drangeblieben und habe viel dazu gelesen und recherchiert. Eine Zeit lang hat es mich richtig deprimiert und ich habe versucht mit allen Mitteln die Argumente, die üblicherweise ins Feld geführt werden, zu entkräften. Das ist mir aber nicht so richtig gelungen... Mittlerweile ist die Depression abgeklungen. Man kann auch nicht im Dauerzustand der Depression über den Zustand der Welt und Dinge, die man auch nicht ändern kann, leben. So hat das als angefangen.

Wie viele Kinder hast du?

Zwei.

Und war das auch eine Motivation für dich?

Es war eine Motivation, das Thema ernst zu nehmen. Den Film habe ich gemacht weil es das Filmhandwerk dasjenige ist, das ich gelernt habe. Ich habe immer Fernsehen gemacht. Ich habe also nie etwas „Anständiges“, „Richtiges“ gelernt. Als universeller Dilettant habe Fernsehnachrichten und Dokumentationen gemacht über viele Jahre; bin dafür viel gereist und habe viel gesehen und so ein ziemlich systemisches und vielgestaltiges Bild von der Welt gewonnen. Ich habe sozusagen an vielen Oberflächen gekratzt. Mein Gefühl sagt mir, das Thema ist irrsinnig wichtig und bin der festen Überzeugung, dass es mehr Aufmerksamkeit verdient als es gegenwärtig bekommt. Die Auswirkungen von Peak-Oil sind so groß und die Abhängigkeit unserer Gesellschaft und Wirtschaft vom Öl ist dermaßen tiefgehend, dass unser aller Lebensstil und unsere aller Zukunft und nicht zuletzt auch die Zukunft der beinahe sieben Milliarden Menschen, der Zukunft unserer Zivilisation auf dem Spiel steht. Da habe ich mich besonnen und mir überlegt, was kann ich beitragen kann, das zu thematiseren? Da es meine Sachkompetenz ist, Dokumentationen und Dokumentarfilme zu machen, wählte ich diese Form.

Wieviel Zeit hast du für diesen Film benötigt?

Drei bis vier Jahre haben wir für den Film gearbeitet, wir haben keine Subventionen für den Film bekommen, er ist rein privat finanziert, und ein bisschen Fernseharbeit floss noch hinein. Er war keine Auftragsarbeit, eher so nach dem Stil: Schulden erhöhen. Deshalb ist es auch in Anbetracht der Bedeutung des Themas nicht möglich, den Film nicht gleich zu Beginn der Auswertung dem Publikum unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Es wird hoffentlich zu einem späteren Zeitpunkt möglich, ihn frei ins Internet zu stellen, nicht aber zum jetzigen Zeitpunkt.

Wird es eine deutsche Fassung zum Film geben? Wird er in deutschen Kinos gezeigt werden?

Lustigerweise haben wir den Film in allen angelsächsischen Ländern verkauft: Australien, Neuseeland, Kanada, USA, Großbritannien.. Er ist teilweise auch schon in den Kinos oder kommt gerade während wir dieses Interview führen. In Deutschland haben sich zwar einige dafür interessiert aber im Allgemeine war die Reaktion: „Ah, das ist ein amerikanischer Film, der ist irgendwie nicht relevant für uns in Deutschland, wir wissen das doch alles schon und haben doch die Grünen und wir sind sowieso Vorreiter wenn’s um Ökologie geht. Das ist eigentlich so mehr ein Problem der Amerikaner.“ Ich glaube mittlerweile haben wir den Film auf rund 50 Filmfestivals auf der ganzen Welt gezeigt - das ist rekordverdrächtig - doch in Deutschland wurde er auf keinem einzigen Festival ausgewählt. Also irgendwie läuft der Film nicht in Deutschland, doch wir werden an hand der DVD-Verkäufe sehen, ob sich die Verleiher und Juroren nicht getäuscht haben., denn ich glaube, in Deutschland ist das Interesse beim Publikum durchaus vorhanden. Man muss es nur wecken.

Wir haben den Eindruck dass du mit dem Film hauptsächlich den US-amerikanischen Bürger ansprichst, ist das richtig?

Nein, ich glaube nicht, dass wir mit dem Film in erster Linie Amerikaner ansprechen. Es gibt eine paradoxe Situation die ich auch nicht geglaubt hätte, aber das Bewusstsein für die Abhängigkeit vom Öl ist in den Vereinigten Staaten ausgeprägter als bei uns. Das hat zum einen damit zu tun, dass man pro Kopf mehr Öl braucht und verschwenderischer damit umgeht, zum anderen hat das aber teilweise auch mit der Größe des Landes zu tun. Und dass die Leute instinktiv spüren wie abhängig sie vom Öl sind. Ein weiterer Grund ist, dass die Ölpreiserhöhung wegen der fehlenden Besteuerung oder der sehr viel geringeren Besteuerung von Erdölprodukten in den USA voll auf den Endverbraucher durchgeschlagen hat. Bei uns wird das ja immer durch die Besteuerung abgefedert. Der Preis hat sich in Amerika verdoppelt, wenn es man von der niedrigsten zur höchsten Preisstellung in den letzten drei Jahren rechnet. Bei uns ist das nicht so, weil 60-70% des Benzinpreises aus Steuern besteht.
Ich glaube auch, dass der Irakkrieg, dieser verunglückte Feldzug aus einer Mischung von Idealismus, naiver Heilsbringerei, dem Missverstehen kultureller Unterschiede anderer Länder, gepaart mit einem gesunden Geschäftstrieb in der amerikanischen Psyche eben doch eine starke Rolle spielt. Jeder kennt jemanden der dort gedient hat oder dient oder verwundet wurde. Also mittlerweile hat der Krieg auch in den USA ganz schön Spuren hinterlassent und die Leute realisieren irgendwie, dass es da einfach zumindest auch um Öl geht. Mittlerweile schreibt das auch der ehemalige US-Zentralbankchef Al Greenberg ganz offen in seinen Memoiren (http://www.smh.com.au/news/world/iraq-war-was-about-oil-greenspan/2007/09/16/1189881318032.html) Und in sofern ist Öl ein wichtigeres Thema in den USA als hier und mehr Leute sind mit dem Phänomen Peak-Oil und mit dem Begriff vertrautals bei uns.

Deswegen haben wir auch viele amerikanische Interviewpartner und deswegen konnten wir sehr gut drehen dort, sind auf offene Ohren gestoßen, haben einen sehr guten Verleih in Nordamerika, und es gibt dort natürlich gute, starke Bilder:Es ist natürlich eindrücklicher eine Autobahn mit 8 Spuren als eine mit 4 Spuren zu drehen.
Das waren also praktische Gründe. Es war aber gar nicht geplant, von wegen „wir machen jetzt aber einen amerikanischen Film oder für den amerikanischen Markt,“ das hat sich einfach so ergeben.

Du mutest dem Zuschauer ein Staccato von Fakten zu. Wäre eine ruhigere Erzählweise nicht benutzerfreundlicher?

Vielleicht das kommt aber auch drauf an wie man’s anguckt, mit wie viel Vorwissen. Es gab Leute, Peak-Oil Aktivisten in den USA, die haben gesagt: „Das kennen wir alles schon“ und „das ist behäbig erzählt“ oder „die Dinge werden wiederholt.“ Ich glaube im Rückblick würde ich den Film heute vielleicht etwas ruhiger erzählen. Das kommt vielleicht auch vom Fernsehen her, wo man immer Angst hat, dass der Zuschauer wegzappt und ihn deswegen ständig mit einer neuen Wendung oder mit einem neuen Faktum bei Stange halten muss. Im Kino kann man etwas ruhiger erzählen.
Man hat jedoch eine beschränkte Länge zur Verfügung, das Problem ist komplex und wir wollten es schon einigermaßen umfassend abhandeln. Es gibt sehr viel dazu zu sagen und es gibt auch Gegenargumente und scheinbar einfache Alternativen, über die wir wir alle zumindest ansatzweise sprechen wollten. Wir wollten schon möglichst komplex über Peak-Oil Zeugnis ablegen.

War es schwierig Interviewpartner zu finden?

Das war nicht so schwierig. Wir sind auf Fachkonferenzen gegangen und haben uns erst mal nicht als Journalisten geoutet. Wir waren einfach mal zwei Tage dort und am dritten Tag war man schon ein bekanntes Gesicht und die Leute hatten sich an einem gewöhnt. Wir sind zum Teil auch im Anzug aufgetreten, haben uns in der Erscheinungsform angepasst. Also es war nicht so schwierig, im allgemeinen redet der Mensch ja gerne, wenn er gefragt wird...

Es gab also richtige Peak-Oil-Konferenzen?

Nein, das waren Konferenzen im Umfeld der Erdölindustrie. Das sind oft auch Leute von Finanzmärkten. Es gibt auch eine jährliche Konferenz wo alle, die in der OPEC mal was zu sagen hatten, wie bei einem Klassentreffen, wieder zusammen kommen. Das ist ziemlich eigenartig, da die Leute alle davon gesprochen haben, dass der Erdölverbrauch steigt und immer mehr steigt und das als positiv bezeichnet haben, bis ich verstanden habe, dass sie ja in dem Business sind, Öl zu verkaufen. Und wenn man etwas verkauft, dann will man halt mehr davon verkaufen. Man will auch den Konsumenten nicht beunruhigen und ihm sagen, es könne mal ausgehen, will ja nicht, dass er sich nach einem neuem Fabrikanten umschaut. Im Gegenteil will man ihn im Glauben wiegen, dass der Nachschub gesichert ist und dass er sich nicht nach Alternativen umschauen muss. Da ist die Haltung der OPEC Leute völlig anders als unsere. Die sie sitzen auf diesem Öl und die haben nur Angst, dass die Leute, dass der Westen irgendwas findet, was ihr Öl dereinst überflüssig macht und dann sitzen sie wieder auf ihrem schwarzem Saft unter der Wüste und haben sonst gar nichts! Es gibt diese Aussage von einem venezuelanischen Erdölindustriellen, der mir sagte: „Die Erdölländer verkaufen ihr Öl und dann haben sie Geld und alles was sie haben ist Geld, denn wenn sie dieses Geld verbraucht haben weil sie kein Öl mehr haben, dann sind sie wieder arm.“ Wenn man als erdölproduzierendes Land seine Erlöse nicht nachhaltig in die Zukunft investiert, ist es eben wie mit einem Lottogewinn, der schnell verdient und sehr schnell auch wieder weg ist.

Hätten nicht auch Kritiker der Peak-Oil Theorie zu Wort kommen sollen?

Big Oil ist eine sehr konservative, sehr verschlossene Industrie mit sehr starken Hierarchien und es ist nicht ganz leicht, oder war zumindest als wir den Film gemacht haben, dort offizielle Interviewpartner zu bekommen.
Wir haben aber den einen oder anderen schon im Film, Colitti zum Beispiel war der ehemalige Chef des italienischen Ölmultis ENI der sagte: „Peak Oil - das gibt es überhaupt gar nicht.“
Wir waren schon der Meinung, dass Peak-Oil ein Problem ist, deswegen haben wir den Film gemacht. Es war nicht so, dass wir gesagt hätten: „Da gibt es diese Theorie und jetzt wollen wir mal schauen ob wir die auseinander nehmen können!“ Nein, wir beziehen natürlich schon Partei und ich glaube, man muss bei diesem Thema Partei beziehen, denn es ist so dringend und die Zeitspanne, die uns bleibt, ist so kurz. Und selbst wenn wir Unrecht haben, machen wir nichts falsch. Es gibt auch noch die Klimaerwärmung, es gibt noch andere unschöne Folgen des Verbrennens von Öl, es gibt die Abhängigkeit von unruhigen Ländern, es gibt die geostrategischen Auswirkungen. Alles spricht dafür, dass wir uns nach sauberen erneuerbaren Energieformen umschauen und fossile Brennstoffe substituieren müssen.

Glaubst du an eine „sanfte Landung“ der Menschheit oder siehst du schwarz für die Zukunft?

Ich weiß es nicht, ich schwanke so zwischen diesen beiden Extremen. Manchmal denke ich, vielleicht gelingt es uns, ich meine vieles ist besser und rationaler geworden, wir haben sicher ein besseres Leben als im Mittelalter oder noch im 19. Jahrhundert und 'ne tolle Medizin zumindest in den, von der Geschichte bevorzugten, Teilen des Planeten. Warum soll das nicht weitergehen? Wir machen wahnsinnige Fortschritte in den Wissenschaften allenthalben, vernetzen immer mehr Wissen ...
Und dann sehe ich wieder sehr schwarz. Ich war jetzt in China einen Monat, in Peking. Da sieht man 17 Millionen Leute, die sich bemühen, dieses Peking fit zu machen für die Olympiade. Dabei liegt die grösste Kohlenmonoxid-Giftwolke der Welt über der Stadt. Nict einmal die chinesischen Staatsmedien können dies leugnen. Und 300 Millionen Chinesen haben einen Führerschein, aber noch kein Auto .... Und dann denkt man wieder, was diskutieren wir hier in der Schweiz über den Klimarappen oder in Deutschland über den grünen Punkt.... Das geht alles am Ziel vorbei: die Probleme spielen sich in ganz anderen Größenordnungen ab. Das ist auch die Grundkrux, nämlich dass wir ein starkes Bevölkerungswachstum haben und dass alle Leute, einen Kühlschrank, ein Auto, ein Einfamilienhaus möchten, wenn sie das noch nicht haben. Diese Dinge werden als gegeben hingenommen, ja beinahe schon als Menschenrecht verstanden, und das durchaus auch von den Kritischen, den Alternativen undden Linken in Deutschland. Ich meine, die sind sie ja auch alle Teil dieser Konsumgesellschaft und machen ihre Griechenlandferien oder was weiss ich,: Also gerade in diesen Kreisen ist oft sehr viel Doppelmoral im Spiel. Gleichzeitig sieht man nicht über den eigenen Tellerrand...

Also siehst du eher schwarz?

Ich weiß es nicht, was ich weiss ist, dass es zu großen Änderungen und Verwerfungen kommen wird.

Aber es müsste ja jemand anfangen mit einer Veränderung?

Nein ich glaube die geschehen so, durch die Ereignisse. Die Ereignisse treiben, die Erde ist ein System. Die Lösung der Energie-Problematik liegt auch nicht beim Einzelnen, sondern in der Preisstellung, beim Markt. Das tönt auch nicht sehr sozial ist aber wahrscheinlich der einzige Weg: Energie muss teurer werden. Nur das wird uns bewegen energieeffizienter zu werden, was das wichtigste schafft, nämlich Zeit, wir brauchen Zeit um Alternativen zu entwickeln. Wir brauchen eine Menge Zeit um Alternativen zu entwickeln, denn es sind noch keine greifbar, die Öl in seiner Menge und Qualität ersetzen könnten. Natürlich ist Sonnenenergie, also Solarenergie, sehr viel versprechend, auch Geothermie hat ein tolles Potential trotzdem ist es noch nicht absehbar, wie wir das Öl ersetzen können in seinen Energiemengen, in seiner Energiedichte und in seinen Anwendungen. Das sind fundamental ungelöste Fragen.

Denkst du, dass ein Leben ohne Öl, lebenswert sein kann, auch wenn keine Alternative dazu gefunden wird? Wie könnte eine solche Gesellschaft aussehen?

Das glaube ich durchaus, vielleicht nicht für dich und mich weil wir in einer anderen Zeit groß geworden sind, aber vielleicht wenn wir vor 50 Jahren auf Bali groß geworden wären, wären wir glückliche Balinesen und kämen weitgehend ohne Öl aus. Wir würden ein ganz anderes Leben führen als Menschen in einer Gesellschaft mit einer Wirtschaft die auf Öl basiert und es fragt sich, ob man die so leicht wird umstellen können. Aber dass das Leben an sich schlechter sein muss, glaube ich nicht. Der Mensch hat sich biologisch zu dem entwickelt was er ist, ohne Öl, Öl ist ein relativ neues Phänomen. Und er konnte glücklich sein oder unglücklich, das Leben konnte lebenswert sein oder auch nicht. Das hat ursächlich nichts miteinander zu tun.
Die Frage ist eher: Was sind wir gewohnt und wie können wir uns umstellen? Wenn keine Alternative gefunden wird, wird alles sehr viel schwieriger, dann gibt es eine Gesellschaft „Schmal Hans“ mit Verteilungskämpfen und Wilderern. Dann geht es vielleicht zurück zu einer Agrargesellschaft mit „pockets of knowledge“, einzelnen abgeschotteten Gebieten, denen es gut geht, vielleicht wie man das in südamerikanischen Großstädten schon sieht.

...mit Solarzellen auf dem Dach?

Ja und die haben dann ihren Wald den sie bewirtschaften, schotten den aber ab. Es gibt auf amerikanischen Internetseiten Foren, in denen Leute darüber diskutieren, was man machen sollte: Gehen wir in eine Kleinstadt? Müssen wir mindestens zwanzig sein? Müssen wir unsere eigene Wasserversorgung haben? Wie können wir uns vorbereiten auf diese Welt? Wie müssen wir uns bewaffnen?

Planst du einen weiteren Film mit der Thematik? Wie wäre es mit „Leben ohne Öl“ oder „Menschen die ohne Öl leben“?

Mein Koautor Ray McCormack überlegt sich eine Serie zu machen, wir sprechen gerade mit dem Sender „Sundance Channel“, die machen ein qualitativ hoch stehendes Kabel TVin den USA. Das könnte dann „Life in a Postcarbon World“ oder so heißen, das ist genau das Thema, da sind wir auch dankbar für Input, vielleicht muss man auch noch mit den Leuten im Forum sprechen. Also das ist geplant, aber nicht so sehr als großer Dokumentarfilm sondern als Serie von vielleicht vier bis sechs Folgen, je eine halbe Stunde im Fernsehen. Es geht darum, Möglichkeiten aufzeigen.

Das hat natürlich viele Auswirkungen, aber das weißt du vermutlich besser als ich, das ist diese Regionalisierungsbewegung. Vielleicht ist das das Ende der Globalisierung, vielleicht auch nicht. Wir hatten schon im 19 Jahrhundert herrliche Frachtschiffe mit Segeln.

Welche Reaktionen zeigen die Zuschauer? Ist außer Betroffenheit tatsächlich Einsicht festzustellen?

Wir haben relativ starke Reaktionen. Wir haben den Film seit März 2006 viel auf Festivals gezeigt. Da es kein einfacher Film ist, kam auch kein großer Verleiher, der sagte: „Wir kaufen den Film oder wir bringen den überall ins Kino.“ Wir haben das Land für Land gemacht. Auch Al Gores Film hat uns ein bisschen geholfen, diese „issue driven documentaries“ waren plötzlich 'in'.

Aber zurück zu der Vorführung: ich mache ja oft nach der Vorführung ein Frage-und-Antwort Spiel. Im Schnitt bleiben 80 % der Leute, die den Film gesehen haben und viele sind natürlich auch sehr betroffen. Jedoch kommen natürlich auch eher die Leute, die eine gewisse Sensibilisierung für das Thema haben. Vielleicht daher die gewisse Hast im Erzählen, wir hatten wahnsinnige Angst dass der langweilig wird. Damit wir nicht nur zu den Konvertierten predigen, sondern damit wir neue Leute erreichen und das war das Ziel, was wir uns vorher gesetzt hatten.

Ich bekomme relativ viele Mails. Der Film läuft auch in verschiedenen Kinos, jetzt zum Beispiel fängt er an in Kalifornien zu laufen, da bekommt man durchaus Reaktionen. Ich habe auch drei bis vier Hassmails erhalten von Leuten die behaupten, wir seien Agenten von Big Oil und wir würden versuchen den Ölpreis hochzuhalten. Verwirrte gibt es überall.

Wie lebst du? Hat sich dein Leben bzw. dein Lebensstil seit der Erkenntnis dass ein Peak-Oil nahe ist, verändert?

Ich habe meinen Dachstock isoliert, jedoch lebe ich in einem alten Haus, das ist energetisch nicht ganz einfach. Ich habe auch eine neue Heizung, ich habe die alte Ölheizung rausgenommen.

Und hast du nun eine Gas oder eine Holzheizung?

Ja, also... nun... eine Gasheizung um ehrlich zu sein! Sie verbraucht ein bisschen mehr macht aber ein bisschen weniger Verschmutzung.

Hast du dir deinen Energieverbrauch mal angesehen?

Wenn man so Filme macht dann lebt man natürlich nicht unbedingt energiearm...

...ja, aber was das Reisen betrifft, gäbe es da doch auch Faktoren die man trotzdem steuern könnte, z.b. den Verbrauch beim Auto?

Ja, das ist eine schwere Krux! Also ich fahre gerne Auto und soll ich jetzt die alte Benzinschleuder ersetzen und ein neues Auto, dass wieder mit Energie hergestellt worden ist, kaufen?

Fährst du noch gerne Auto?

Ich fahre nicht so viel Auto, aber ich denke das Problem liegt nicht im Individuellen. Meine Aufgabe ist es, das Problem aufzuzeigen und das neue Leute, die sich dem Problem nicht so bewusst sind, sensibilisiert werden. Oder dass ich die ASPO-Schweiz mitgegründet habe. Wenn man viel fliegt für seine Arbeit, und das wird von mir erwartet, zumindest für meine Fernsehtätigkeit, dann ist es recht deprimierend sich anzugucken, was ein Flug nach London verbraucht und wieviel man dafür Autofahren könnte. Um das wieder wettzumachen müsste ich die nächsten 10 Jahre meine Brötchen zu Fuß holen, es ist schwierig. Es muss über die Energieeffizienz und über die Preisstellung gehen. Und teilweise sicher auch über Regulierung.

Sollte es nicht viel mehr vom Einzelnen, aus Einsicht heraus geschehen?

Also ich glaube, Einsicht führt nicht unbedingt dazu, dass Leute bereit sind auf angenehm empfundenes Verhalten zu verzichten, oder? Das funktioniert nur unter Androhung großer Strafen. Ich glaube der Mensch ist ein ziemlich bequemes Säugetier und was er machen kann wird er tun. Mit ein paar Ausnahmen von Leuten die sehr asketisch leben oder die wiederum ihr Selbstverständnis daraus beziehen, dass sie einen Kick im Leben dadurch haben, dass sie sagen: „Ich bin moralisch sauberer als die anderen, ich fahre jetzt mit dem Velo“ oder „ich bin ganz ein Anständiger.“
Ich gehöre nicht zu diesen politisch ganz korrekten Menschen,

Wie viel Öl hast du im letzten Jahr verbraucht?

Keine Ahnung.

Bereitest du dich auf eine „Energiekrise“ vor? Wenn ja, wie?

Ja. Ich bereite mich auf die Energiekrise vor. Ich glaube die Preise werden steigen und das heißt Isolieren, das nächste Auto wird sicher weniger verbrauche als dieses, u.s.w. Es geht soweit, dass ich schon überlegt habe, ob ich mir einen alten Bauernhof anlachen soll „just in case“ und zu lernen, wie man dann Kartoffeln in den Boden bekommt und wieder heraus, ich habe davon noch keine Ahnung. Insofern ja.

Ist Peak-Oil bei Gesprächen mit anderen für dich das große Thema?

Nein, es ist nicht „das Thema“ aber es ist vielleicht das wichtigste Einzelsachthema, das würde ich schon sagen. Es gibt ja noch andere Themen im Essen äh... im Leben, z.b. Essen. Das war gerade ein freudscher... Oder gute Weine, lauter Sachen die wir tunlichst noch genießen sollten bevor uns der böse Wolf...

Unabhängig vom Film, versuchst du, neue Bekanntschaft von Peak-Oil zu überzeugen? Welches Argument überzeugt am meisten?

Das Argument was mich am meisten überzeugt und am meisten auch selbst in Erstaunen versetzt und ängstigt ist, dass jede Kalorie Lebensmittel die wir in einem Industrieland konsumieren, zehn Kalorien Grundstoff Input benötigt.

Basil, vielen Dank für das interessante Gespräch


Weitere Infos zum Film: www.oilcrashmovie.com

Basil Gelpke ist Gründungsmitglied der Aspo Schweiz


Der Autor (rechts) bei peak oil Altmeister Champbell

Quelle: http://www.oilcrashmovie.com
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